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Jan 29

Whisky aus dem Sauerland

Die Sauerländer Edelbrennerei im Interview

Faesser

Die Sauerländer Edelbrennerei stellt seit 2002 Whisky her. Wie der Name es schon verrät, reifen die edlen Tropfen nicht etwa in Schottland oder Irland, sondern in deutschen Gefilden. Und das mit Erfolg, denn ihr dreijähriger „McRaven“ ist der einzige deutsche Whisky, der beim „Internationalen Wein und Spirituosen Wettbewerb“ 2015 mit einer Silbermedaille ausgezeichnet wurde. Grund genug für den Gentleman-Blog, einmal mit Marketingmanager und Familienmitgleid Alexander Mühlheims zu sprechen und mehr über den sauerländischen Whisky zu erfahren.

 

Herr Mühlheims, Deutschland im Allgemeinen und das Sauerland im Speziellen sind nicht die ersten Orte, an die man beim Whisky denkt. Wie kamen Sie darauf, deutschen Whisky herzustellen?

Deutscher Whisky ist tatsächlich eine Seltenheit. Angefangen hat alles mit einem Ausflug meiner Familie sowie der Familie Wolfkühler, die seit langem befreundet sind. 1999 wurde gemeinsam eine Exkursion in verschiedene Obstbrennereien in Baden-Württemberg unternommen. Leider waren Übelkeit und Kopfschmerzen durch die teils schwachen Brände an der Tagesordnung, sodass letztendlich Ulrich Wolfkühler entschied, diesem Umstand ein Ende zu setzen. Der Plan ließ auch uns schließlich nicht mehr los.

So wurde die Idee zu einer eigenen Edelbrennerei geboren. Ein kleiner Betrieb in Kallenhardt mit dem Ziel, Edelbrände in höchster Qualität ohne Zusätze und vor allem in Handarbeit zu destillieren. Die ersten Verkostungen haben wir im Freundes- und Familienkreis durchgeführt und erhielten schnell Zuspruch. Die Leute hatten wohl den „Schnaps von der Stange“ satt. Letztendlich hat uns genau dieser Umstand und vor allem das positive Feedback dazu bewogen, den nächsten Schritt zu wagen. Seit 2002 vertreiben wir unter der Geschäftsführung von Julian Wellhausen 12 Edelbrände, fünf Edelgeiste, fünf Edelliköre und seit kurzem auch den drei Jahre alten „Thousand Mountains – McRaven“ Whisky. Die Resonanz ist also klasse.

Also wollten Sie anfangs gar nicht Whisky herstellen, sondern Obstbrände?

Richtig. Es ging uns erstmal nur um Obstbrände. Doch aus persönlicher Vorliebe haben wir uns bald gesagt: Warum versuchen wir uns nicht auch an Whisky? Dass wir damit eine Marktlücke treffen und unser Whisky so einschlägt, haben wir damals nie gedacht.

Warum tut sich Deutschland als Whisky-Herstellungsland so schwer?

In der Regel denkt man bei Whisky an Schottland, Irland oder die USA. Dabei beschäftigen sich heute bereits über 150 deutsche Brennereien mit Whisky. Das sind mittlerweile sogar mehr als in Schottland. Es gibt also eine enorme Geschmacksvielfalt von deutschen Whiskys, die sich über das ganze Land verteilen. Leider fällt die produzierte Menge in Deutschland wesentlich geringer aus als anderswo.

Wenn wir, und ich spreche jetzt mal für alle deutschen Whiskybrenner, ein positives Bild für die deutschen Produkte durchsetzen können, steigt auch die Chance für internationale Anerkennung. Zugegeben, der deutsche Whisky ist nicht wie der schottische oder amerikanische, doch das ist der japanische auch nicht. Dennoch hat er den schottischen Whisky in internationalen Prämierungen bereits überholt. Als Newcomer hat der deutsche Whisky also noch einen weiten Weg vor sich. Doch ist er auf dem Vormarsch. Das merken wir auch an unserem Absatz. Wirkliche Whiskyliebhaber gehen unvoreingenommen an neue Produkte heran. Das kommt uns natürlich zugute.

Das Geschäft läuft also zufriedenstellend, aber seht Ihr Euch eher als „Kritikerliebling“ oder möchtet Ihr beim Supermarkt im Regal stehen?

Wir sind immer noch ein Nischenprodukt, das sich auf Handarbeit, Tradition und Spitzenqualität fokussiert. Wir möchten in der Whiskysammlung unserer Kunden etwas Besonderes sein. Ein Whisky, der nicht nur durch das Geschmackserlebnis überzeugt, sondern auch durch seine liebevoll gestaltete Form. Allein der handversiegelte und handgeknotete Korken macht ja jede Flasche zu einem Unikat. Sowas hat man gerne im Schrank stehen. Um diesen besonderen Manufakturcharakter zu erhalten, werden wir auch weiterhin auf den Vertrieb im Supermarktregal verzichten. Dafür vertreiben wir unsere Produkte über unseren eigenen Online-Shop und können auch immer mehr Fachhändler von unserem Sortiment überzeugen.

WellhausenWie stehen besagte Fachhändler und Kenner allgemein zum Sauerländer Whisky?                                            Wir sind vom Fach und uns schmeckt der Whisky fantastisch. Spaß beiseite, wir präsentieren den McRaven bereits seit einiger Zeit auf unterschiedlichen Fachmessen. Das Feedback aus dem direkten Kontakt mit den Besuchern ist durchweg positiv. Oft hören wir überraschte Ausrufe wie „Whisky aus dem Sauerland?“ oder „Der ist erst drei Jahre alt?“. Das ist ein tolles Gefühl und geht natürlich runter wie guter Whisky, wenn man so für seine Arbeit belohnt wird. Mit diesem Erfolg im Rücken haben wir den „Thousand Mountains – McRaven“ 2015 zum „Internationalen Wein und Spirituosen Wettbewerb“ nach London geschickt. Hier stand die Probe aufs Exempel an. Neben einer Blindverkostung wird dort eine mikrobiologische Analyse durchgeführt, die auch die letzten Makel ans Tageslicht bringt. Das Ergebnis war überwältigend und wir hätten nie mit einer Platzierung gerechnet, auch wenn wir natürlich immer überzeugt waren, dass unser Whisky etwas Besonderes ist. Als einziger deutscher Whisky wurden wir mit der Silbermedaille beim Single Malt-Whisky ohne Altersangeben ausgezeichnet. Gold wurde an keine einzige deutsche Brennerei vergeben.
1:0 für die Handarbeit! Das hat uns natürlich nicht nur extrem Mut gemacht, sondern auch in unserer Arbeit bestätigt.

So ein Ergebnis setzt ja nicht nur gute Prozesse voraus, sondern auch entsprechende Rohstoffe. Was macht Euren McRaven so einzigartig?

Rohstoffe sind natürlich das A und O in der Herstellung. Bei uns kommt das Wasser aus einem eigenen 188 Meter tiefen Brunnen. Ein echtes Naturerzeugnis der tausend Berge, woher ja auch der Name kommt. Auch die Gerste stammt aus der heimischen Region, sodass hier nichts dem Zufall überlassen wird. Außerdem haben wir unsere Brennanlage umgebaut. Damit können wir Teile des Destillates ähnlich dem Pott-Stil-Verfahren herstellen und ab einem bestimmten Druck und Temperaturstufe in ein typisch deutsches Kolonnenverfahren wechseln. Zusätzlich arbeiten wir mit einer Methode der Dampfeinspritzung, die wir eigens entwickelt haben. Auch bei der Lagerung entfernen wir uns vom üblichen Standard. Zunächst reift unser Whisky für ein Jahr in einem toskanischen Rotweinfass, bevor er für zwei weitere Jahre in klassischen Bourbon-Fässern verweilt. Das spiegelt sich auch in der Prämierung wider. Die Entwicklung unserer Herstellungsprozesse hat alles in allem über zehn Jahre gedauert. Auch wenn wir heute schon mit dem McRaven ein einzigartig aromatisches Erlebnis kreiert haben, arbeiten wir ständig an einer Verbesserung unserer Produkte.

TastingStichwort Fässer tragen: Was ist die angenehmste Seite eurer Arbeit?             Auch wenn das jetzt etwas lustig klingt: Das Probieren ist immer noch der aufregendste Teil unserer Arbeit. Beim Experimentieren mit neuen Variationen erleben wir immer wieder geschmackliche Überraschungen, das motiviert uns unheimlich. Kein Fass gleicht dem anderen, kein Destillat ist gleich. Whisky ist wie ein Gesellschaftsspiel für den Erwachsenen. Die Überraschungen, die man beim Verkosten erlebt, das Entdecken von Aromen, die man vorher nicht wahrgenommen hat und die Spannung, bevor das Glas in die Hand genommen wird, sind einfach Dinge, die wahnsinnig viel Spaß machen. Vor allem, wenn Kunden oder Freunde dabei sind. Wir sind wirklich mit dem Herzen dabei, was vor allem auch daran liegt, dass wir hier ein kleiner Familienbetrieb sind.

Habt Ihr auch die künstlerische Darstellung familiär entschieden? Und warum gerade McRaven? Das klingt ja stark nach Schottland…

Otmar Alt, den viele kennen dürften, ist für uns nicht nur ein bekannter Künstler, sondern vor allem ein Freund der Familie und ein Mit-Initiator der Brennerei. Otmar war quasi von Anfang an dabei und durch ihn hatten wir schon immer eine enge Bindung zur Kunst. Wir waren damals gerade auf der Suche nach einem Logo und einem Namen. Da fiel ein Rabe unmittelbar vor der Brennerei aus seinem Nest und wurde von Otmar auf seinem Hof wieder aufgepäppelt. Man kann es jetzt Schicksal, Zufall oder einfach Banalität nennen, aber so ergab eins das andere. Heute steht der von Otmar gestaltete Rabe als Symbol für die Sauerländer Edelbrennerei. Seine Kunst ist ausdrucksstark und verspielt, und wir finden, das trifft auch auf unsere Produkte zu. Für jeden unserer Brände, Geiste und Liköre hat Otmar ein individuelles Etikett mit kleinen Hinweisen zum Inhalt erstellt, natürlich in seiner gewohnten, bunt gehaltenen Darstellung. Lässt man sich ein bisschen auf die Kunst ein, kann man erraten, was in der Flasche ist, ohne das Etikett zu lesen. Rätseln, Interpretieren und Lachen ist hier ausdrücklich erwünscht. Was den Namen angeht, sind wir zwar echte Sauerländer, aber entstanden ist die Idee, Whisky selber zu machen, aus der Leidenschaft zu schottischem Whisky. Daher ist die Entscheidung zum schottischen „Mc“ eine bewusste Hommage an die Ursprünge des Whiskys.

Wie hat sich Euer Verständnis von Whisky und auch Euer Geschmack mit der eigenen Brennerei verändert?

Wir sind schon immer Liebhaber des flüssigen Goldes und interessieren uns für seine Herkunft und Tradition. Wir haben aber festgestellt, dass Konsum und Produktion zwei sehr verschiedene Welten sind. Seit wir Whisky selber brennen, haben wir ein anderes Verständnis für Whisky, seine Komplexität, die Brenntechnologie und das herausfordernde Fassmanagement entwickelt. Die Theorie musste also zur Praxis und diese zu Erfahrung ausgebaut werden. Dabei haben wir so einige Überraschungen erlebt, und wir rechnen auch mit weiteren Herausforderungen, vor allem mit der neuen Brennblase.

Was den Geschmack angeht, versuchen wir natürlich, uns permanent weiterzuentwickeln. Gerüche und Geschmäcker einem Objekt zuzuordnen, ohne das Objekt zu sehen beziehungsweise etwas von ihm vorher zu wissen, ist eine Leistung, auf die unser Gehirn nicht trainiert ist. Klavierspielen können wir ja bekanntlich auch nicht von Geburt an. Es gilt also auch beim Whisky brennen: Übung macht den Meister! Damit ist es weniger unser Geschmack, der sich geändert hat, sondern vielmehr unser Empfinden und die Wahrnehmung der unterschiedlichen Aromen. Ein Erlebnis, das durch die umfassende Vielzahl an Whiskys niemals langweilig wird. Es macht es uns aber auch möglich, immer neue Geschmäcker besser auszuprobieren.

Wie oft trinkt Ihr noch privat Whisky?

Im Sinne von entspannt zurücklehnen oder sich mit Freunden zu einem gemeinsamen Tasting treffen, leider viel zu selten. Aber Ermüdungserscheinungen in Sachen Whisky sind auch noch keine zu beobachten.

Brennerei

Wie sieht Eure Zukunft aus? Der Umzug ist ja ein Zeichen der Expansion.

Exakt. Wir wollen, dass unsere Gäste die gleiche Leidenschaft zum Produkt erleben können wie wir. Daher bieten wir in Zukunft nicht nur Whisky als Genussmittel an, sondern als komplettes Erlebnis. Egal ob Whisky- inklusive Zigarrentasting, Brennereibesichtigungen, Destillatkurse oder Erlebnis-Exkursionen mit unserem Segelschiff vor Rügen. Dem Kunden soll es dabei nicht nur um unsere hohe Qualität gehen, sondern er soll einfach Spaß an der Sache haben – und sich natürlich an uns erinnern. Um diese und viele weitere Ideen verwirklichen zu können, haben wir im letzten Jahr ein altes Sägewerk gekauft, welches wir derzeit umbauen. Im Februar werden wir eine zweite Brennblase bekommen, die ausschließlich für die Whiskyproduktion vorgesehen ist. Die offizielle Eröffnung der „Erlebnisbrennerei“ wird im zweiten Quartal 2016 stattfinden.

Habt Ihr neben diesen „Erlebnissen“ auch ganz konkret neue Produkte geplant?

Wir sind am Anfang einer langen Reise und dazu gehören auch neue Produkte und Produktideen. Für 2016 haben wir bereits recht konkrete Pläne. Ein recht junges Produkt von uns ist der Sweet Raven. Ein Cremelikör, der auf unserem Whisky basiert. Er besitzt ein süßlich durchdringendes und gleichzeitig mildes Whiskyaroma. Im Mund entwickelt sich der Geschmack eines leicht schmelzenden Sahnebonbons. Beide Noten verbinden sich und halten sich langlebig im Abgang. Wichtig war es uns, nicht noch einen x-beliebigen Sahne-Likör zu entwickeln, sondern den Charakter unseres McRaven in einen anderen Kontext zu setzen. Da es uns ziemlich gut schmeckt, sehen wir das Experiment als gelungen an.

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Was ist der perfekte Whisky für Euch?

Perfektion ist bei Whisky relativ. Die Komplexität im Geruch und Geschmack, die gesamte Wahrnehmung und das Erlebnis im Ganzen sind qualitative Größen. Sie sind äußerst subjektiv und lassen sich nicht pauschal beantworten. Es ist vielmehr so, dass ein Whisky sich mit der Situation und dem Augenblick verbindet. So kann es durchaus sein, dass durch die Verschmelzung von Genuss, Emotionen und äußeren Einflüssen ein spezieller Moment als perfekt erlebt werden kann. Mit dem „Thousand Mountains – McRaven“ haben wir unseren Basis-Charakter gefunden. Auf dieses Fundament sind wir Stolz und werden weiter darauf aufbauen. In diesem Sinne wünschen wir uns natürlich, dass möglichst viele Menschen, möglichst viele perfekte Momente mit uns erleben können.


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