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Mrz 22

Stil-Tipp: Brown in Town

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Lange Zeit verbannten Knigge-Regeln wie »no brown after six« und »no brown in town« braune Herrenschuhe ausnahmslos in den Freizeitbereich. Doch was ist heute noch an dem bekannten Stil-Gebot dran? Der Gentleman-Blog erklärt, woher die Ressentiments gegenüber braunem Schuhwerk tatsächlich rühren, und wie Mann sie stilvoll kombiniert.

Schuhe weit mehr als ein Gebrauchsgegenstand

Ein Blick in die frühe Menschheitsgeschichte zeigt, Schuhe zählen nicht nur zu den ältesten Kleidungsstücken überhaupt, sondern erfüllten bereits bei den alten Römern und Griechen weit mehr als rein praktische Zwecke. Als kulturelle Statusobjekte gab ihre Form, das verwendete Material und die Art der Verzierung dem aufmerksamen Beobachter den gesellschaftlichen Rang seines Gegenübers zu erkennen. Im antiken Ägypten und Griechenland stand es im Übrigen nicht jedermann zu, die üblich schützenden Sandalen zu tragen – Sklaven mussten ihre Arbeit qua Gesetz barfuß verrichten.

In unterschiedlichen Ausprägungen setzte sich der Kult um das Schuhwerk über die Jahrhunderte hinweg fort: Im Frankreich von Ludwig XIV. war es beispielsweise allein dem Sonnenkönig und seinen oberen Ständen vorbehalten, sich in roten Schuhen zu zeigen. In England galten wiederum braune Herrenschuhe bis weit ins 19. Jahrhundert hinein als typisches Erkennungszeichen der ländlichen Bevölkerung. Aus dieser Zeit stammt auch die eingangs erwähnte Redewendung: no brown in town.

No brown after six

Jene Stigmatisierung bezog sich jedoch nicht nur auf braune Schuhe im Speziellen, sondern auf alle nicht schwarzen Oberlederfarben im Allgemeinen. Der Londoner Gentleman bevorzugte dagegen klassisch schwarzes Schuhwerk und grenzte sich damit bewusst von der körperlich arbeitenden Bevölkerung ab. Die Kniggeregel zahlte sich zu Zeiten der Industriellen Revolution noch auch aus einem anderen, rein praktischen Grund aus: Im Hinblick auf die zunehmende Verschmutzung der Städte, hüllte man sich eher in gedeckte Farben – dieser Art gekleidet, wurden Ruß und Dreck der Kleidung weniger schnell zum Verhängnis.

Im Laufe der Zeit konnten sich braune Herrenschuhe zwar durchaus auch werktags in der städtischen Umgebung etablieren, also in town, doch tauschte Mann sie gemäß der Empfehlung »no brown after six« spätestens nach Feierabend gegen ein schwarzes Schuhpaar ein. Allein schwarze Herrenschuhe entsprachen der abendlichen Etikette und waren zum Dinner, dem Theaterbesuch oder einer offiziellen Gesellschaft akzeptabel.

Braune Schuhe für den modernen Dresscode

Bereits seit Jahren schwören einige Herren auf braune Schuhe zum anthrazitfarbenen oder blauen Anzug. Nichtsdestotrotz wirft das Erbe der einst schwarzen Schuhdominanz bis heute seine Schatten. Vielerorts hält sich noch immer hartnäckig das längst überholte Klischee »no brown in town« und schmälert die Eleganz eines hochwertig gefertigten Herrenschuhs in einem modischen Braunton.

Hand aufs Herz: Braune Schuhe sollten ein fester Bestandteil im Schuhrepertoire eines jeden Gentlemans sein. Denn ganz gleich, ob Hell-, Mittel- oder Dunkelbraun, Rotbraun, Cognac oder Bordeaux – braune Schuhe bringen eine angenehme Abwechslung in den klassischen, aber bisweilen auch monotonen schwarzen Schuhalltag.

Braune Schuhe stilvoll kombinieren

Der Vorteil von braunen Schuhen liegt klar auf der Hand: Braune Schuhe begeistern vor allem durch ihre Vielseitigkeit. Während schwarze Herrenschuhe streng genommen allein zum schwarzen oder grauen Anzug harmonieren, überzeugt braunes Schuhwerk zu fast allen denkbaren Kombinationen. Bei aller Begeisterung für braunes Schuhwerk erfordert ihr Einsatz selbstverständlich Fingerspitzengefühl.

In diesem Sinne sollte der jeweilige Braunton der Schuhe immer auf die restliche Kleidung abgestimmt werden. Ein dunkelbrauner Schuh macht beispielsweise zu einer Hose in einem dunklen Navyton eine hervorragende Figur, während ein cognacfarbenes Modell einem hellgrauen oder pastellfarbenen Anzug schmeichelt. Für welche Kombination Mann sich letztlich entscheidet, richtet sich in erster Linie nach dem persönlichen Geschmack und dem Anlass.

Nach wie vor bleibt zum formellen Anlass wie einer Hochzeit, der Taufe oder einem wichtigen Geschäftstermin ein schwarzer Schnürer ein klassisch zeitloser Begleiter. Alle Herren, die es eine Spur moderner schätzen, treffen mit einem unverzierten Modell in Dunkelbraun eine überaus stilvolle Wahl.

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2 Responses to “Stil-Tipp: Brown in Town”

  1. Simon sagt:

    Ich kannte immer nur den Spruch »no brown after six« und »no brown in town« aber ich wusste nicht wo das ursprünglich her kommt. Ich muss auch gestehen, dass ich darüber gar nicht nachgedacht und übernommen habe. Ist schon interessant, dass sich eine solche Tradition so lange durchzieht und ihren Sinn irgendawann völlig verliert, aber trotzdem fortgesetzt wird. Deswegen finde ich auch das man mit ruhigem Gewissen braune Schuhe zu jeder Zeit und überall tragen sollte. Passt sowieso oft besser auf farbige Anzüge.

  2. Anke von Garrel Image&Coaching sagt:

    Ein gelungener Beitrag zum Thema Schuhe. Auch ich empfehle meinen Kunden immer wieder einmal einen schönen braunen Schuhe zu tragen. Zu beachten bei braunen oder anders farbigen Schuhen ist, dass die auf Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Möchte man dieses vermeiden, dann tragen Sie auf jeden Fall einen schwarzen Schuhe.

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