Autoren Kontakt Impressum Datenschutz
Jun 28

Sneaker – vom Turn- zum Kultschuh

sneaker_titel

Vom komfortablen Turnschuh zum Symbol der Rebellion bis auf die Laufstege dieser Welt – kaum ein anderer Schuh hat einen solchen Durchmarsch absolviert wie der Sneaker. Der Gentleman-Blog begibt sich auf die Spuren des berühmten Kultschuhs und zeigt, welche edlen Interpretationen heute auch abseits des Sportplatzes überzeugen.

Als Joschka Fischer bei seiner Vereidigung zum Minister 1985 weiße Sneaker trug, war das noch ein regelrechter Skandal. Heute sieht man die Kombination aus Anzug und Turnschuhen immer häufiger, auch wenn der konventionelle Dresscode nach wie vor zum eleganten Lederschuh rät. In vielen Branchen ist der Sneaker inzwischen am Casual Friday eine feste Instanz im Büro und das obwohl sich der Einsatz jener bequemen Halbschuhe lange Zeit ausschließlich auf die Freizeit beschränkte. Kein Wunder, liegen die Wurzeln der Schuhikone doch im Sportschuhbereich.

Vom Krocketplatz zu den Olympischen Spielen

Die Vorläufer heutiger Sneaker finden sich um 1860 in den USA und England. Zu jener Zeit trugen Gentlemen leichte Halbschuhe aus weichem Leinenstoff mit einer flexiblen Gummisohle, während sie dem Krocketspiel nachgingen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen vergleichbare Modelle auf den Markt, die vornehmlich für den Kinderfuß entwickelt wurden. Doch schon bald erkannten auch Erwachsene die Vorzüge der neuen Sportschuhe.

Im Tennis etablierte sich der Sneaker dann zuerst abseits des Kinderschuh-Segments und erlebte in der Leichtathletik endgültig seinen Durchbruch – gekrönt wurde sein Siegeszug durch die Olympischen Spiele 1928 und 1936, bei denen Athleten bereits in den flexiblen Leinenschuhen antraten. Die üblichen Sportschuhe aus Leder hatten damit erst einmal ausgedient. Doch ruhte sich der Sneaker keinesfalls auf seinen Medaillen aus…

sneaker_02

James Dean, Avantgarde & Fitness-Euphorie

In den fünfziger Jahren avancierten die komfortablen Turnschuhe erneut zum Erkennungszeichen der Jugend, die als »Turnschuhgeneration« von sich reden machte und den Sneaker zum Symbol von Rebellion erhob. Als sich dann auch noch kein Geringerer als Teenie-Idol James Dean mit Sneakern ablichten ließ, erlangten die einstigen Sportschuhe ihren bis heute andauernden Kultstatus. Stars wie Mick Jagger oder David Bowie zeigten sich plötzlich in den bekannten Freizeitschuhen und schürten die neue Sneaker-Kultur.

Lange Zeit rein männlich besetzt, wurde der (weibliche) Siegeszug der Sneaker vor allem durch den Fitnessboom der achtziger Jahre unterstützt, den Jane Fonda mit ihrem Aerobic-Video ins Rollen gebracht hatte. Mehr und mehr galten Sneaker nun auch außerhalb des Sportbereichs als modische Begleiter und zwar generationsübergreifend bei Männern wie Frauen. Der frühere Jugendschuh hatte sich zum populären Schuhwerk für jedermann gemausert und selbst als die Begeisterung für die sportliche Betätigung allmählich wieder einschlummerte, währte die Liebe zum Sneaker fort.

Mittlerweile ist der einstige »Turnschuh« ein fester Bestandteil moderner Popkultur, ein Modeartikel, der sowohl auf den internationalen Laufstegen als auch dem roten Teppich ein- und ausgeht. Sein einstiger Charme von jugendlicher Avantgarde ist indes weitestgehend verflogen.

sneaker_collage

Edel-Sneaker für den legeren Auftritt

Der Begriff »Sneaker« ist im Übrigen eine Marketingerfindung und geht auf den US-Amerikaner Henry Nelson McKinney zurück. Jener Werbeprofi machte den charakteristisch leisen Auftritt der Turnschuhe zum Alleinstellungsmerkmal und etablierte den heute bekannten Namen. Tatsächlich machten, lassen wir den Mokassin einmal außer Betracht, alle anderen Schuhe beim Laufen deutliche Geräusche – nur der »Schleicher« nicht.

Heute gilt der Sneaker als Synonym für Sportschuhe im Allgemeinen. Doch damit noch nicht genug: Abseits billig verklebter Importe aus Fernost verwandelt eine neue Sneaker-Generation den berühmten Kultschuh zu einer geschmackvollen Wahl für den modernen Gentleman. Gemeint sind jene Edel-Sneaker, welche das klassische Design ihres berühmten Vorfahrens mit den Vorteilen eleganter Lederschuhe verbinden.

Feinste Leder, eine aufwendige Fertigung sowie detailverliebte Formen und Schnitte jener Edel-Sneaker überzeugen am Casual Friday sowohl zu Jeans und Sakko als auch zur Chinohose und Polohemd. Doch Obacht: Selbst hochwertige Sneaker haben bei einer Abendveranstaltung oder auch einem wichtigen Businesstermin nichts zu suchen. In diesem Fall sollte Mann besser zum klassischen Captoe Oxford oder Plain Derby greifen.

Lesen Sie auch:

»» Ein Gentleman in Sneakern? Der Hamburg GTX im Test

»» Levi’s 501: Die Geschichte der Kult-Jeans

»» Stil-Tipp: Brown in Town



SHOEPASSION.com Banner

One Response to “Sneaker – vom Turn- zum Kultschuh”

  1. Jules sagt:

    Hey Gentlemen,
    schöner Artikel. Ein Mann muss eben neben edlen und eleganten Schuhen auch in Sneakern gut aussehen. Die Kombination aus leger und elegant macht es dann auch interessant. Wobei ich die abgebildeten Sneaker hier richtig gut finde. Mal etwas anderes und sie sehen wirklich fein und edel verarbeitet aus.

    Macht weiter so. Ich lese euren Blog wirklich gern.

    Eure Jules (auch so schuhverrückt)

Kommentar schreiben