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Aug 19

Narben – Vom Makel zum Symbol

superdude

Mut, Stärke, Verwegenheit – Narben symbolisieren weit mehr als nur eine einstige Verletzung der Haut. Studien zeigen sogar, dass Männer mit Narben auf Frauen überaus anziehend wirken. Gastautorin Patrizia Becker widmet sich dem Symbolwert jenes vermeintlichen Makels und spricht im Gentleman-Blog über die Faszination des Getroffenseins.

Über die Kraft des Symbols wird ja in unseren Tagen wieder viel diskutiert. Meist geschieht dies in Zusammenhang mit der Hinwendung zu bestimmten Glaubensinhalten. Inhalten mit hoher Gestaltungskraft. Ein weiteres Symbol – eines von hoher Leuchtkraft – ist eines, welches ebenfalls Gestaltungskraft in sich birgt. Zeugt es von Intelligenz, den Umgang damit zu kultivieren? Urteilen Sie selbst: Die Rede ist von der Narbe.

Der Screenshot der inneren Haltung

Die Narbe birgt ins ich die Kraft eines guten Narrativs. Sie berichtet von einem Moment des Kampfes. Dieses Gefecht ist zwar bereits überstanden – die Narbe selbst weist den Akteur jedoch als Helden aus. Einen, der nicht vor der Gefahr zurückgewichen ist. Einen, der sogar bereit war, sehenden Auges den Preis für seinen Mut zu zahlen. An keiner Stelle wurde diesem ehemals klassischen „Männlichkeitsmoment“ so ein Ehrenplatz zuteil wie früher bei den Studentenverbindungen. Der „Schmiss“ im Gesicht glich einem regelrechten Ausweis.

In die heutige Sprache übersetzt wäre ein solcher Schmiss wahrscheinlich ein youtube-Video. Je nach Einkommensklasse des Hauptdarstellers wäre darin eine wilde Fahrt im Porsche mit „nix drin“ zu sehen („Nanny-free“) – oder aber ein Sprung von der Klippe. Egal. Immer geht es darum, festzustellen, wer dieser Mann im Moment des größten Risikos war. Die Antwort auf diese Frage allein birgt bereits in sich eine ungeheure Gestaltungskraft: Wer eine Narbe trägt, hat etwas Glaubwürdiges. Die Narbe ist also eine Art von Währung, die sich bis in unsere Zeit gehalten hat.

Die Narbe heute – Wirkung & Währung

Eine Narbe zahlt auf ein gemeinsames Vertrauenskonto einer Gemeinschaft ein. Sie ist die gebrochene Schwester des Sieges. Der Sieg beeindruckt, die Narbe berührt. Das oben genannte Beispiel ist sicherlich für unsere Tage nicht mehr besonders repräsentativ. Dennoch bin ich mir sicher, dass Sie in Ihrem Leben Situationen durchgestanden haben, von denen Sie Narben behalten haben.

Können Sie sich vorstellen, welche Wirkung diese in Ihrem Gegenüber hervorrufen? Was würde es für Sie bedeuten, diese eine Narbe offen zu zeigen? Schließlich ist es genau dieser vermeintliche Makel, welcher der ängstlichen Wahrscheinlichkeitsrechnung ihre magische Anziehungskraft entzieht. Die ehrliche Narbe berührt. Welchen Platz geben Sie ihr in Ihrer Kommunikation?

Gestatten wir uns an dieser Stelle einfach mal ein wenig Ironie. Hannes Wader, Polit-Barde der siebziger Jahre, führt uns gar das verzweifelte Bemühen der gutbürgerlichen Harmlosigkeit um dieses Flair vor Augen. Sein risikofreudiger Held Charley vervollkommnete seine Wirkung mit einem Trick:

Alle haben es bemerkt, wie gut sein Blumenhemd ihm stand
Mit Löchern drin, ganz heimlich mit ’ner Kippe reingebrannt
Was aussah, dass fast jeder sie für Einschusslöcher hielt
Und der Sohn vom Apotheker hat sofort danach geschielt
Er kaufte Charleys Hemd zu einem unverschämten Preis
Trug es schmutzig, wie es war, mitsamt den Löchern und dem Schweiß
Sicher hat er fest geglaubt, er brauche es nur anzuzieh’n
Und Charleys Kraft und Schönheit übertrügen sich auf ihn

– „Charley“ von Hannes Wader

Fazit: Eine Narbe, sicht- oder nur fühlbar, zeugt von großer Entschlossenheit. Ehrlich und intelligent kommuniziert verleiht sie ihrem Träger eine eigene Faszination.

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Über die Autorin

UnbenanntPatrizia Becker von Erfolg mit Stil berät Unternehmen und Entscheider mit psychologischem Fingerspitzengefühl in Sachen Auftritt und Kundengewinnung. Ihre Passion: Die Optimierung erfolgskritischer Abläufe und strategischer Hotspots. Im Gentleman-Blog schreibt sie über Motivation, Selbstverwirklichung und Krisenmanagement.



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