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Sep 27

Der Monkstrap – Über Mythen, Mönche & Musketiere

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Von jeher erhitzt vor allem ein Herrenschuhmodell die Gemüter. Während die Befürworter seine charmante Extravaganz schätzen, stören sich die Kritiker an seiner vermeintlichen Dominanz – im Zentrum der Debatte steht kein anderer als der berühmte Monkstrap. Der Gentleman-Blog räumt mit den Ressentiments gegenüber dem traditionellen Schnallenschuh auf und erklärt, warum dieser vollkommen zu Recht seinen Platz unter den klassischen Herrenschuhen behauptet.

Schuhwerk für den modernen Gentleman

Ein Gentleman weiß um die Bedeutung gut sitzender und gepflegter Herrenschuhe. Als Basis einer stilvollen Schuhgarderobe empfehlen sich konkret ein schwarzer Captoe Oxford als eleganter Allrounder sowie ein dynamischer Full-Brogue in Dunkelbraun für den modernen Dresscode. Doch in puncto klassische Herrenschuhe muss es nicht ausschließlich geschnürt zugehen. Als willkommene Abwechslung zu den formellen Schnürschuhen greifen bereits viele Herren auch werktags zum Monkstrap, kurz Monk genannt. Formell ist gegen seinen Einsatz überall dort nichts einzuwenden, wo eine weniger strenge Kleiderordnung herrscht.

Im Grunde erinnert der Monkstrap nämlich an den klassischen Derby, einen Halbschuh mit der charakteristisch offenen Schnürung. Ebenso wie der beliebte Schnürer verfügt auch der Monk über ein unverziertes Vorderblatt sowie zwei aufgenähte Seitenteile. Kennzeichnend für den Schnallenschuh ist jedoch der namensgebende Riemenverschluss, der seitlich über den Schaft verläuft und traditionell in einer Dornschließe mündet. Zieren den Monk gleich zwei Schnallen, handelt es sich um einen Doppel-Monkstrap.

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Der Vorteil: Vor allem Gentlemen mit einem kräftigen Spann bietet der Schnallenschuh deutlich mehr Komfort als beispielsweise ein Oxford-Schuh. Tatsächlich erlaubt es der Schnallenverschluss seinem Träger, die Weite beliebig zu justieren – der Druck verteilt sich somit gleichmäßig auf den Fuß. Ebenso entfällt das mitunter ärgerliche Öffnen der Schnürsenkel, die sich im falschen Moment lockern oder gar reißen können. Frei übersetzt, bedeutet der Terminus »Monkstrap« im Übrigen so viel wie »Mönchsriemen«. Kein Wunder also, dass sich in die Debatte um den Schnallenschuh stets das traditionelle Schuhwerk der Mönche mischt. Doch liegen die Wurzeln jenes besonderen Halbschuhs wahrhaftig im Dunstkreis jener Ordensbrüder?

Monkstrap – Mönchsandale vs. Musketierschuh

Immer wieder müssen die mit Schnallen geschlossenen Sandalen von Mönchen aus den Alpen im 15. Jahrhundert als Vorfahren des heutigen Monkstraps herhalten. Doch selbst bei der später unter der Mönchkutte getragenen Halbschuh-Variante verlief der Lederriemen zwar über einen seitlichen Einschnitt des Vorderblatts, mündete jedoch in einem viel weiter hinten sitzenden Schnallenverschluss. Im Unterschied zum heutigen Monkstrap war das Vorderblatt zudem geteilt.

Mit großer Wahrscheinlichkeit ist der Monkstrap eher eine Modernisierung der Schnallenschuhe aus dem 17. Jahrhundert. Zwischen 1670 und 1680 löste eben jener Schnallenverschluss die bis dato populären Schleifen am Schuhwerk ab und wurde in höfischen Kreisen sogar von Edelsteinen und Diamanten begleitet. An den Füßen der Musketiere gelangte die Schnalle schließlich zu einer beeindruckenden Gesamtgröße, verdeckte die imposante Dornschließe bei der französischen Infanterie bisweilen sogar den gesamten Schuh. Im Vergleich dazu präsentieren sich heutige Modelle regelrecht bescheiden.

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Begleiter für den modisch eleganten Dresscode

Zweifellos ist der Monkstrap ein absoluter Blickfang. Ob das jeweilige Modell sich indes modisch elegant oder sportlich extravagant zeigt, richtet sich in erster Linie nach dem Material, der Farbe und dem Grad der Verzierung. In weniger konservativen Branchen erfüllt ein unverzierter Monk aus schwarzem Glattleder problemlos die Anforderungen an den klassischen Dresscode und macht vor allem zu einem grauen oder anthrazitfarbenen Anzug eine fabelhafte Figur. Bleibt die Schnalle ferner unter einem weit geschnittenen Hosenbein verborgen, ist der Monkstrap kaum vom klassischen Schnürschuh zu unterscheiden.

Besser kommt der Schnallenschuh dementsprechend mit schmal geschnittenen Hosenbeinen zur Geltung. Ein Monk im warmen Cognac-Ton, Bordeaux oder in Dunkelbraun schmeichelt dagegen Kleidung in Blau, Grau, Braun und auch Pastelltönen. Für den Einsatz im Büro sollte sich die übrige Kleidung allerdings in Zurückhaltung üben, um nicht etwa in Konkurrenz zum Schuhwerk zu treten. Die moderne Interpretation des Monks aus samtig weichem Rauleder eignet sich dagegen hervorragend zur Jeans oder Chino in der Freizeit – in Kombination mit leichten Flanellstoffen verströmt der Monk dann eine stilvolle Lässigkeit. Tipp: Im Idealfall sind Gürtelschnalle und Dornschließe beim Monk aufeinander abgestimmt – leichte Abweichungen sind hier jedoch noch lange kein Fauxpas.

Fotos: secondhanddandy.pl | gentlemansdiary.com | outdersen.com

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2 Responses to “Der Monkstrap – Über Mythen, Mönche & Musketiere”

  1. Jan Gessinger sagt:

    Sehr schöner Artikel.

  2. Eton sagt:

    Der Schuh sieht richtig gut aus. Der Schuh ist grundsätzlich gut verarbeitet, hat aber an ein bzw. zwei Stellen qualitative Mängel.

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