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Feb 03

Psst, bitte nicht stören! Über den öffentlichen Umgang mit Audiogeräten

Smartphone, Tablet und Co. sind längst allgegenwärtig und zwar auch außerhalb der eigenen vier Wände. Beim Telefonieren, Musikhören oder sogar Filmansehen in den öffentlichen Verkehrsmitteln sollte man allerdings nicht seine Umgebung vergessen. Gastautor Thomas Immerl stellt im Gentleman-Blog einige Wege vor, wie man unterwegs rücksichtsvoll mit seinen Audio-Geräten umgeht.

Fernöstliche Verschwiegenheit

Man kann vieles über Japan und seine Gesellschaft sagen… Das Land fällt in unseren Breiten hauptsächlich durch Extravaganz auf. Kulturelle Güter, die dort alltäglich sind, wirken aus der Ferne mitunter befremdlich. Hat man jedoch dort einige Zeit verbracht, lernt man indes auch einen besonderen Schatz des japanischen Alltags kennen: eine stark ausgeprägte Kultur der Rücksichtnahme. Die allermeisten Japaner bemühen sich nämlich, ihren Mitmenschen unter keinen Umständen zur Last zu fallen. Am stärksten bemerkte ich dieses Phänomen in der Öffentlichkeit: auf Straßen, in Verkehrsmitteln oder in Wartezimmern. Ich musste aber erst nach Europa zurückkehren, um zu begreifen, was ich hinter mir gelassen hatte. Hier, wo es keine Augenbraue in die Höhe treibt, wenn man laut in der U-Bahn telefoniert oder seine Umwelt mit den Kopfhörern gleich mit beschallt. Klingt nun vielleicht wie hochstilisiertes Jammern oder ein gestelzter Vergleich zwischen romantisiertem Fernost und einfältigem Westen. Im Alltag passierte es mir in Japan allerdings selten, dass ich in der U-Bahn auch nur ein Handy klingeln hörte – während ich in unseren Breiten bisweilen ganze Telefonate mitsamt brisanten Einblicken in fremdes Privatleben mit anhören muss.

Mehr Rücksicht in öffentlichen Verkehrsmitteln

Gewiss ist die Fahrt zur Arbeit eine wunderbare Gelegenheit, um mit ein wenig Musik abzuschalten oder sich die Zeit zu vertreiben. Die anderen Passagiere mögen das allerdings ganz anders sehen. Da man sich mit ihnen oft auf engstem Raum befindet, sollte man daher besondere Umsicht walten lassen. In einem eigenen Zugabteil verhält sich dies selbstverständlich anders als in einer dicht gedrängten Straßenbahn, geschweige denn in einem Flugzeug. Wenden Sie für diese Nuancen einfach Ihren gesunden Menschenverstand an oder fragen Sie im Zweifelsfall gern auch nach, bevor Sie andere (unbewusst) beschallen.

Zwischen Diskretion & Fremdschämen

Ich beobachte in letzter Zeit mehr und mehr Menschen, die unangenehm mit ihren Handys auffallen. Mag sein, dass ich in diesem Punkt besonders sensibel bin, aber wiederholtes Handyklingeln oder gar ausschweifendes Telefonieren finde ich in öffentlichen Verkehrsmitteln unangebracht. Wenn Sie das regelmäßig tun, achten Sie doch einmal auf die vielen giftigen Blicke, die Ihnen zugeworfen werden, wenn Sie die schwierige Situation mit Ihrem Ex-Partner unüberhörbar in der Bahn erörtern. Übertroffen wird das lautstarke Telefonieren in puncto Rücksichtslosigkeit nur dann, wenn das Gerät auch noch auf Lautsprecher geschaltet wird. Mit Telefonaten in Bussen, Bahnen und Co. können sich viele Passagiere meist arrangieren. Die Voraussetzung: Der Betreffende bemüht sich, um eine gewisse Diskretion, spricht so leise wie möglich und zieht das Gespräch nicht unnötig in die Länge. Im Allgemeinen sollte das Telefonieren in öffentlichen Verkehrsmitteln aber die Ausnahme bleiben und sich allein auf dringende Angelegenheiten beschränken. Tipp: Die Essenswahl für den Abend, der neueste Bürotratsch oder auch die Auswertung der letzten Verabredung können mit Sicherheit auch nach der Fahrt geklärt werden. Über den Handylautsprecher aber Musik zu hören oder laute Handy-Spiele zu verwenden, bleibt einfach nur taktlos. Solche Gewohnheiten demonstrieren allein, dass die eigenen Interessen als wichtiger empfunden werden als das respektvolle Miteinander.

Kopfhörer bewirken Wunder

Für all das gibt es schließlich Kopfhörer. Doch auch beim Hören mit Kopfhörern kann es aus Versehen passieren, dass man es mit der Lautstärke ein wenig zu gut meint. In der Regel wollen Sie beim Einsatz von Mobilgeräten in den Öffentlichen doch erzielen, dass Sie vom Straßenlärm und/oder anderen Passagieren akustischen Abstand gewinnen. Ihre Kopfhörer sollten dabei aber eine gewisse Lautstärke nicht übersteigen.

Tipps zum rücksichtsvollen Musikgenuss

Die Geheimwaffe für ungestörten Musikgenuss ist sicher der Noise-Cancelling Kopfhörer. Dieser dämpft den Umgebungslärm und bewirkt, dass Sie weniger laut aufdrehen müssen, um nur noch Ihre Musik zu hören. Für mich läuft das meist auf etwa 50 Prozent der Maximallautstärke hinaus. Der Vorteil: Bei aufgesetzten Kopfhörern dringt praktisch kaum ein hörbares Geräusch in die Umwelt. Wegen dieser Vorzüge ist Noise Cancelling vor allem unter Vielfliegern beliebt. Weniger sperrig und günstiger sind gute in-ear Kopfhörer. Im Gegensatz zu Noise Cancellern verschließen sie den Ohrkanal ähnlich wie ein Ohrstöpsel und isolieren Schall auf passive Weise. Auch hier müssen Sie kaum die Lautstärke erhöhen, um sich mit Musik zu umgeben. Tunlichst vermeiden sollte man es, on-ear oder over-ear Kopfhörer lauter als etwa 60 Prozent aufzudrehen. Besonders erstere isolieren den Schall fast gar nicht und sollten am besten in der unteren Hälfte der Maximallautstärke betrieben werden. Over-Ears können wie erwähnt mit Noise-Cancelling oft viel leiser verwendet werden. Es versteht sich von selbst, dass ein portabler Lautsprecher im öffentlichen Nahverkehr ausgeschalten bleibt. Weitere Tipps zum richtigen Umgang mit Audiogeräten von Thomas Immerl finden sich auf seiner Homepage Wireless Pirat.

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One Response to “Psst, bitte nicht stören! Über den öffentlichen Umgang mit Audiogeräten”

  1. Schmitt sagt:

    Eigentlich ist es ja schon fast traurig, dass hier extra mit einem eigenen Blogbeitrag darauf aufmerksam gemacht werden muss, dass seine Mitmenschen nicht zwingend den eigenen Musikgeschmak teilen oder an den peinlichen Geschichten mit der/dem Ex interessiert sind. Viele Gespräche lassen sich auch ohne große Probleme auf „nach der Bus-/Zugfahrt“ verschieben und Musik kann man auch mit isolierenden Kopfhörern geniesen. Leider ist das aber noch nicht bei allen angekommen.

    Ich nutze die Reisezeit meist zum Lesen oder für die Weiterbildung. Die wichtigsten Begleiter sind dabei tatsächlich die In-ear Kopfhörer geworden. Einerseits wird durch sie der Umgebungslärm gedämpft, andererseits fällt mir das Lesen mit einem Rhytmus im Hintergrund wesentlich leichter.

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