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Mrz 22

Vorsorge

Patientenverfügung – Würdevoll leben und sterben

Jeder Mensch wünscht sich, selbstbestimmt und würdevoll zu leben. Doch von einen auf dem anderen Moment kann es damit vorbei sein. Niemand ist vor einem Unfall oder einer schweren Krankheit gefeit. Doch mit einer Patientenverfügung lässt sich zumindest festlegen, welche medizinische Maßnahmen im Falle eines Schicksalsschlages getroffen werden sollen – und welche nicht.

Die Organspende wird schon seit vielen Jahren in der Öffentlichkeit diskutiert und mit verschiedenen Kampagnen ins Bewusstsein der Menschen verankert. Laut einer repräsentativen Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind 71 Prozent der Deutschen grundsätzlich bereit, nach ihrem Tod Organe zu spenden. Dennoch besitzt nur ca. ein Drittel der Deutschen einen Organspendeausweis. Mit diesem geben sie ihre Zustimmung zu einer Organ- und/oder Gewebeentnahme, um damit anderen Menschen das Leben zu retten.

Patientenverfügungen sind weniger verbreitet. Doch auch hier hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Über 25 Prozent der Deutschen haben bisher eine Patientenverfügung erstellt.

Was ist eine Patientenverfügung?

Eine Patientenverfügung ist laut Wikipedia „eine schriftliche Vorausverfügung einer Person für den Fall, dass sie ihren Willen nicht mehr (wirksam) erklären kann. Sie bezieht sich auf medizinische Maßnahmen wie ärztliche Heileingriffe und steht meist im Zusammenhang mit der Verweigerung lebensverlängernder Maßnahmen.“

Anders als ein Organspendeausweis, ein einfaches kleines Schriftstück, das in jedes Portmonee passt, ist eine Patientenverfügung deutlich komplexer. Der Bundesgerichtshof entschied mit dem BGH Urteil zur Patientenverfügung vom 06. Juli 2016, dass Patientenverfügungen für ihre eindeutige Anwendung konkret formuliert sein müssen.

Viele Patientenverfügungen unwirksam

Einfache Ankreuzformulare, wie sie häufig als kostenlose Vordrucke im Internet angeboten werden, tragen dieser Maßgabe oft nicht ausreichend Rechnung. Meist werden nur pauschal gehaltene Wertevorstellungen in einem starren Rahmen niedergeschrieben. Für eine zweifelsfreie Anwendung in der Praxis sind diese jedoch ungeeignet. Beispielsweise sind Formulierungen wie “keine lebenserhaltenden Maßnahmen” nicht klar genug.

Daher schätzen Experten, dass etwa 2/3 aller Patientenverfügungen juristisch nicht korrekt und damit unwirksam sind. Das kann Angehörige und Ärzte in einer ohnehin emotional schweren Phase zusätzlich vor extrem schwere Entscheidungen stellen.

Darauf sollten Sie bei einer Patentenverfügung achten

Eine Patientenverfügung muss medizinischen, juristischen und ethischen Ansprüchen gerecht werden. Die Wirksamkeit steht und fällt mit der Eindeutigkeit des erklärten Patientenwillens. Zweifel am erklärten Patientenwillen ergeben sich zum Beispiel aus pauschalen oder bei widersprüchlichen Willenserklärungen.

Eine Patientenverfügung muss Spielraum für individuelle Wertevorstellungen lassen und eine differenzierte und widerspruchsfreie Dokumentation des Patientenwillens gewährleisten. Der BGH fordert für die Wirksamkeit der Patientenverfügung daher eine Konkretisierung durch die Bezugnahme auf ausreichend spezifizierte Krankheiten oder Behandlungssituationen sowie die konkrete Benennung der gewünschten bzw. abgelehnten medizinischen Maßnahmen.

In den ersten 48 Stunden nach Eintritt einer kritischen gesundheitlichen Situation ist eine Patientenverfügung zu gewünschten oder nicht gewünschten lebenserhaltenden Maßnahmen besonders wichtig, da in diesem Zeitraum üblicherweise die wesentlichen intensivmedizinischen Maßnahmen mit dem Ziel der Stabilisierung eines Patienten stattfinden. In der Praxis stellen häufig auch die fehlende Bekanntheit oder die schlechte bzw. späte Verfügbarkeit von Vorsorgedokumenten ein Problem dar. In der Folge kann der erklärte Patientenwille nicht oder erst verzögert zur Anwendung kommen. Daher sollten Angehörige oder andere Vertrauenspersonen wissen, dass es eine Verfügung gibt und wo sie verwahrt wird. Es gibt Anbieter, die einen Online-Zugriff anbieten, so dass die Verfügung rund um die Uhr verfügbar ist.

Die Patientenverfügung sollte regelmäßig aktualisiert und mit einem neueren Datum versehen werden. Ist das Schriftstück zu alt, können Zweifel aufkommen, ob die Inhalte noch immer den gegenwärtigen Überzeugungen des Patienten entsprechen.

Für die optimale Durchsetzung des Patientenwillens ist es ebenso wichtig, vertraute Personen für die Wahrnehmung Ihrer Rechte mit einer Vorsorgevollmacht zu bevollmächtigen. Eine ergänzende Betreuungsverfügung kann dafür sorgen, dass vom Betreuungsgericht eine von Ihnen gewünschte Person des Vertrauens als gesetzlicher Betreuer bestellt wird, sollte die Vorsorgevollmacht nicht akzeptiert werden. Die Vorsorgevollmacht ist einer Betreuung gegenüber somit vorrangig zu beachten.

Meine Patientenverfuegung Online Screenshot
Abb: Screenshot Formular vom Online-Anbieter meinepatientenverfuegung.de

Selbstbestimmtes Lebensende

Auch wenn die aktive Sterbehilfe in Deutschland verboten ist, ist der Ausschluss von medizinischen Maßnahmen zur Lebenserhaltung in bestimmten Situationen zulässig. Eine Patientenverfügung kann diesem Wunsch Nachdruck verleihen und so ein selbstbestimmtes Lebensende ermöglichen.

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