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Apr 07

Rezension: Das Supergeschlecht

Ein fast schon feministisches Sachbuch über den Mann und was ihn bewegt

Unter dem Pseudonym Nick Wahlberg hat der FAZ-Kolumnist, Autor und Satiriker Klaus Ungerer vor Kurzem ein weiteres humoristisches Sachbuch veröffentlicht. Mit einer ordentlichen Prise Humor nimmt er darin das selbst ernannte „Supergeschlecht“ unter die Lupe und erörtert, was sie wirklich antreibt.

„Eigentlich ist meiner ja der größte!“

Dieses Klischee der männlichen Gedankenwelt kürt der Autor zum Grundstein der Zivilisation, welches sie vorantreibt und erneuert. Frauen sind in dieser Welt eher spielverderbende Realisten, die das männliche Höher-Schneller-Weiter-Prinzip nicht nachvollziehen können.

Der Mann hingegen, ganz der stolze Gockel, schafft sich eine Welt neben dieser schnöden Realität, indem er sich deutlich größer macht, als er eigentlich ist. Es ist die Welt der Illusion… Entschuldigung! Der Innovation. Eigentlich auch egal, Hauptsache Latinismus! Und da der Mann als solcher ohnehin immer Recht hat, widerspricht ihm auch keiner.

Wenn sich dennoch mal einer findet, der partout eine Diskussion vom Zaun brechen will, wird dieser kurzerhand mit der Kraft der – notfalls ausgedachten – Zahlen besiegt. Und wenn gar nichts mehr hilft, gibt es zum Glück immer noch die wortwörtlich schlagkräftigen Argumente.

Der permanente Größenvergleich, der das männliche Geschlecht offenbar in all seinem Tun umtreibt, findet hier eine humoristische Umsetzung in Form eines Quiz’, welches am Ende des Buchs Aufschluss darüber gibt, wie Manns genug man tatsächlich ist. Gezählt werden dabei, wie sollte es auch anderes sein, Penispunkte.

Der Phallus und der FC Bayern

Es stellt sich zunehmend die Frage, wie viele Penisvergleiche und -metaphern man in einem Buch unterbringen kann.* Sind Männer etwa wirklich so einfach gestrickt, wie es einem Medien und Gesellschaft suggerieren wollen? An jeder Ecke des männlichen Alltags stößt er notwendiger Weise auf eine daher rührende Konkurrenzsituation. Das männliche Genital könnte sogar Schuld am Kapitalismus sein, sorgt doch das Y-Chromosom anscheinend dafür, dass man(n) sich immer und überall mit seinem Umfeld vergleichen muss.

Eine weitere, natürlich ur-männliche, Eigenheit ist die Suche nach Gefahr, gerne auch sinnloser Art, die sowohl berauscht als auch von Heldentum zeugt. Wem der Mut für tatsächliche Lebensgefahr fehlt, kann sich jedoch auch genauso gut Verfolgungsjagten im Fernsehen angucken. Oder sich einfach Gleichgesinnten anschließen. Jeder weiß: In der Gruppe ist man(n) nämlich stark! So wie Soldaten. Oder eben Spermien.

Natürlich kann auch dabei am Ende nur einer als Gewinner hervorgehen (der so genannten „Spermienstrategie“ entsprechend), aber der Erfolg und die Freude darüber gebührt allen. Egal, was für „kleine schmuddelige, ungewaschene Willis“ die Einzelnen sind. Offenbar ist man aus jenem Grund auch Fan des FC Bayern.

* Im Schnitt sind es übrigens mindestens einer pro Seite.

Höher! Schneller! Weiter!

Während die „Penislosen“ also Tanzen gehen, ziehen die von ihrem Genital dabei behinderten Männer scheinbar lieber in den Krieg. Und dabei ist es dann im Grunde auch egal, wofür man(n) stirbt. Die Liste bietet da eine gewisse Auswahl. Außerdem zählt ja ohnehin vor allem die Gefahr!

Neben ihren Penissen und dem daraus erwachsenden Konkurrenzkampf mit anderen Geschlechtsgenossen beschäftigt das männliche Gehirn laut Wahlberg noch die Geschwindigkeit. Und Expansion. So hat zum Beispiel Napoleon sein Land zu einem „Super-Phallus“ gemacht – und war doch Namensgeber für einen gewissen Komplex der männlichen Gattung.

Heutzutage verlagert sich das Streben der Männlichkeit nach Anschwellung allerdings vorwiegend auf die Wirtschaft. Kriege sind in der Neuzeit ja doch schon sehr gefährlich geworden. Dann doch lieber die Erektion des DAX’. Expansion geht allerdings erst nach Dekonstruktion, namentlich der, anderer Reiche. Und so treibt die Dekonstruktion schon den Jungen um. Und Explosion. Hauptsache Zerstörung.

Die wirkliche Größe des Mannes liegt nun darin, nach all dem Expandieren dem Zerfall des Erreichten mit Gelassenheit entgegen zu sehen. Am besten macht man(n) dann einfach möglichst dezent die Biege. Es gibt einige Beispiele aus der Geschichte, die den Erfolg dieses Konzeptes nahelegen. Zur Not geht auch der große Zapfenstreich, solange dabei dem Versagen stolz die Stirn geboten wird!

Der Hahn und das holde Weib

Ausgesprochen (selbst-)ironisch leistet Nick Wahlberg in „Das Supergeschlecht!!!“ seinen Beitrag zur Geschlechterverständigung. Manchmal vielleicht etwas zu plakativ, will er erklären, was die Männer seit Jahrhunderten umtreibt und scheut sich dafür auch nicht, ganz tief in die Klischee-Kiste zu greifen.

Gerade wenn er die Männer mit Pfauen, Löwen und Gockeln vergleicht, die sich zunächst für die Damenwelt aufplustern, um sich dann von ihnen bedienen zu lassen oder gleich ganz verschwinden, hebt er punktuell die Rolle der Frau und letztlich ihre Überlegenheit gegenüber des penisgeleiteten Mannes hervor.

Frauen gebären Kindern, kümmern sich um Haus und Hof und sorgen überhaupt dafür, dass alles am Laufen bleibt. Aber der Mann war auf dem Mond! Und wie man weiß, bedarf es dafür einer imposanten Kopfbedeckung.

Wenn Sie nämlich wirklich Respekt von Ihren Mitmännern wollen, wählen Sie einen möglichst großen Hut! Denn Sie wissen ja: Es kommt auf die Größe an!

>> Zum Buch:
Das Supergeschlecht: Warum Männer einfach cooler sind als andere Leute

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3 Responses to “Ein fast schon feministisches Sachbuch über den Mann und was ihn bewegt”

  1. Marion sagt:

    „Frauen gebären Kindern, kümmern sich um Haus und Hof und sorgen überhaupt dafür, dass alles am Laufen bleibt. Aber der Mann war auf dem Mond!“

    Richtig: Die Frau kümmert sich um das Profane, der Mann aber bringt die Menschheit voran.

  2. Franziska sagt:

    Irgendwie lustig geschrieben, nur kann ich über diese Sachen nicht so recht lachen… Dass Männer Großes in jeder Hinsicht vollbringen, und dass das eben auf ihren Penis zurückzuführen ist.. Sorry, ist für mich nach wie vor nicht nachvollziehbar.. und bei einem großen Teil der Männer auch schlichtweg nicht wahr.

  3. Andreas sagt:

    Klasse Rezension! Ich habe das Buch selbst gelesen und von den plattitüden mal abgesehen bringt das Buch das männliche Dilemma gut auf den Punkt. Wenn der Konkurrenzdruck mal zu stark wird und höher, schneller, weiter in die Sackgasse führt, empfehle ich mal auf diese Seite zu schauen: maennerpsychotherapie.de/blog/

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