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Apr 18

Karo ist Trumpf – Karierte Mode im Überblick

»Prince of Wales«, »Glen Check« oder »Argyle« – Karos zählen ohne Zweifel zu einem der ältesten Muster der Herrenmode. Beinahe jede Saison lassen es Designer neu aufleben, doch nur selten macht man sich Gedanken über die scheinbar so gewöhnliche Webart. Dabei gibt es unter den verschiedenen Karos große Unterschiede: Zwar wurden manche Varianten erst im vergangenen Jahrhundert kreiert, andere blicken wiederum auf eine jahrtausendealte Historie zurück und zeugen von Revolutionen und Freiheitskämpfen. Gastautorin Rebecca Koch von Maxwell Scott Bags fasst für Sie die wichtigsten Muster zusammen und gibt interessante Einblicke in die Geschichte des Karos.

Tartan

Die Geschichte der heutigen Karos beginnt mit dem Tartan-Muster, das man mittlerweile wohl größtenteils mit dem schottischen Kilt assoziiert. Gut erhaltene Fundstücke lassen jedoch darauf schließen, dass diese Webart schon lange vor unserer Zeitrechnung in Europa und Asien verwendet wurde. An sich versteht man unter dem Begriff ein Muster aus vertikalen und horizontalen, schmalen und breiten Streifen, die beim Überkreuzen verschieden große Rechtecke bilden. Nicht ohne Grund mischt sich Schottland in die Entstehungsgeschichte des anhaltenden Karo-Trends.

Tatsächlich wurde die traditionelle Bekleidung der Highlander aus dem karierten Wollstoff hergestellt und verbreitete sich im 16. Jahrhundert von dort aus in der gesamten Region. Da die ansässigen Weber zum Färben ihrer Wolle und Leinen vor allem auf heimische Pflanzen zurückgriffen, ließen sich mit der Zeit spezielle Karomuster bestimmten Clans zuordnen und dienten ihnen als Erkennungsmerkmal.

Später wurde das Tartan-Muster sogar für einige Zeit verboten, als sich schottische Rebellen aus den Highlands immer wieder gegen die Monarchie auflehnten. Wer es trotzdem trug, musste beim ersten Mal eine Haftstrafe von sechs Monaten antreten und wurde beim zweiten Mal für sieben Jahre auf eine Strafkolonie in Übersee verschifft.

Heutzutage ist das berühmte Karomuster zum Glück eine weniger riskante Wahl. Traditionell kommt es in dunklen, jedoch satten Farben daher und eignet sich somit perfekt für Jacketts oder Mäntel. Wer seine Garderobe zunächst mit einer kleineren Portion Karo auflockern will, kann auch zu einem Schal im Tartan-Muster greifen. Je nach Farbe komplimentiert dieses Accessoire das restliche Outfit, ohne dabei zu viel Aufmerksamkeit zu erregen.

Windowpane

Das Windowpane-Muster ist nach der Form von Fensterscheiben mit Holzrahmen benannt. Feine Linien, die ihrerseits zu großen Rechtecken zusammenlaufen, bestimmen jene besondere Karo-Art. Durch das großflächige Muster ist das Windowpane ein durchaus auffälliges Muster, das seinem Träger eine gute Portion Selbstbewusstsein abverlangt.

Wer für dieses Karo nach Inspiration zu einem stilvollen Einsatz sucht, wird beispielsweise im Film »Public Enemies« fündig: Hier trägt Johnny Depp als schneidiger Bankräuber aus den Dreißigern seinen Mantel in Windowpane-Optik mit jeder Menge Coolness. Während das auffallende Muster für eine gewisse Zeit scheinbar außer Mode geriet, findet es sich seit einigen Saisons wieder in den Schaufenstern bekannter Modehäuser und wird uns mit Sicherheit nicht mehr so schnell verlassen.

Glen Check & Prince of Wales

Die Namen »Glen Check« und »Prince of Wales« werden oft gleichbedeutend für dasselbe Muster verwendet. Es gibt jedoch einen feinen Unterschied zwischen beiden. Das »Glen Check«-Muster hat seine Wurzeln in Schottland, wo es für die Bekleidung der Jäger und Wildhüter der hiesigen Gutshäuser verwendet wurde. Das Karo besteht aus mehreren Fäden, zumeist in Schwarz und Weiß, die in gebündelten Linien im rechten Winkel zueinander verlaufen. Dort, wo sich die Linien kreuzen, entstehen Rechtecke mit unterschiedlichen, geometrischen Mustern.

Dem Prince of Wales und späteren König Edward VII. gefiel dieses Karo so gut, dass er es sich auch für seine Landbekleidung anfertigen ließ. Er fügte dem Muster noch farbige Streifen hinzu und gab dem Karo so seinen Namen. Zum großen Durchbruch verhalf diesem jedoch erst sein Enkel, der Duke of Windsor.

Als klassisches Muster für den Alltag ist das »Prince of Wales«-Karo seitdem nicht mehr aus der Mode wegzudenken und hat, nicht zuletzt wegen James Bond, sogar einen Platz in der modernen Popkultur gefunden. Besonders in hellen Farben – wie zum Beispiel Blautönen – eignet sich das Muster perfekt für Baumwollhemden. Das traditionell monochrome »Glen Check« oder originale »Prince of Wales«-Karo überzeugt ebenso auf Jacketts und Mänteln aus hochwertigen Wollstoffen.

Die perfekte Kombination

Wenn man sich schließlich für eines der verschiedenen Karos entschieden hat, bleibt nur noch die Frage nach der richtigen Kombination. Will man sein edles Windowpane-Jackett in den Mittelpunkt rücken, setzt man bei Hemd und Hose auf neutrale Töne aus derselben Farbfamilie. Wer bei der Kleiderwahl mehr Mut beweist, entscheidet sich für ein Outfit mit verschiedenen Karos. Als Faustregel gilt: Große Karos passen gut zu klein gemusterten Stoffen.

Um die traditionsreichen Muster ein wenig aufzulockern, kann man sich außerdem an aktuellen Trends orientieren. Pastellfarben wie Rosa oder Lindgrün, zum Beispiel bei einem dünnen Wollpullover oder auch farbenfrohen Strümpfen, lassen Tartan, Windowpane und Co. modern wirken. So versetzt man das klassische Karo mit wenigen Kniffen ins 21. Jahrhundert – in dem Wissen, dass man sich mit jener Stilwahl in eine jahrhundertealte Tradition zahlreicher Gentlemen einreiht, folgt mit Sicherheit auch die passende Attitüde.

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Die Autorin

LogoAls Gastautorin berichtet Rebecca Koch über neueste Trends und klassische Stilfragen. Als Mitarbeiterin des britischen Luxus-Lederwaren-Unternehmens Maxwell Scott Bags lebt sie schon lange in Großbritannien und kennt sich mit der Tradition des britischen Gentlemans bestens aus.



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One Response to “Karo ist Trumpf – Karierte Mode im Überblick”

  1. The Major sagt:

    Wunderbar!
    Karo geht immer! Es muss nicht zwingend Herbst sein – und Kilt kann auch im Sommer getragen werden.

    Es grüsst
    The Major

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