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Jun 13

Rezension: Jammern gefährdet Ihre Gesundheit

Ein Buch gegen den Jammertrend

Dani Nieth, Moderator, Journalistik-Dozent, Coach und ehemaliger Profisportler, hat es sich in seinem ersten Buch zur Aufgabe gemacht, dem Trend zum Jammern den Kampf anzusagen. Selbst gelegentliches Opfer eben dieses, hat er eigene Beobachtungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Tipps aus seiner Tätigkeit als Inspirationscoach mit dem Schwerpunkt Neuro-Linguistische Programmierung zusammengetragen und daraus ein 7-Tage-Entwöhnprogramm entwickelt.

„Jammern und Klagen ist der Soundtrack unserer heutigen Gesellschaft.“

An jeder Ecke hört man es Jammern und Wehklagen. Eine Erscheinung der Neuzeit? Für Dani Nieth ist es das, geboren aus Wohlstand, Überfluss und Psychotherapie. Nicht nur hat der „Siegeszug der Psychoanalyse“ diesen Trend verstärkt, Jammern ist seiner Ansicht nach auch ein Mittel der Selbsttherapie. Dabei hält er es für höchst subjektiv und generell nicht mit dem Wunsch nach Veränderung einhergehend. Dies scheinen zunächst harte Thesen zu sein, doch der Autor scheut sich nicht davor, diese laut auszusprechen – oder viel mehr Schwarz auf Weiß festzuhalten. Eine weitere ist: Die Jammerer sind eigentlich selbst an ihrer Lage Schuld. Primär daher, weil sie nur jammern um des Jammerns Willen und nichts an ihrer Situation ändern (wollen).
Das Buch will nunmehr Möglichkeiten zur Veränderung aufzeigen und diese mit praktischen Tipps an den Leser heranführen.

Auf dem Weg dahin nimmt Dani Nieth viele Abzweigungen in die Kognitionsforschung, die Psychologie (die er zuvor noch als Grund allen Übels ausgemacht hat), die Linguistik und die Kommunikationsforschung. Es entsteht dabei eine Mischung aus Selbsthilfebuch, wissenschaftlicher Abhandlung und einer Zusammenstellung persönlicher Erlebnisse und Anekdoten. So soll sich der Leser unter anderem auf die Suche nach der eigenen Definition von Glück, Selbsterkenntnis und glücklichen Gedanken begeben. Der Autor spielt zeitgleich mit bekannten Klischees und Floskeln, die zum Teil an die typischen Motivationssprüche auf Facebook erinnern, schreckt aber dennoch nicht davor zurück, eben jene immer wieder aufzugreifen und mit einer Prise Wissenschaft in den Kontext des Buches zu setzen. Dies gelingt mal mehr und mal weniger.

„Es hätte noch schlimmer kommen können.“

Zu Beginn des Buches soll sich der Leser einem Selbsttest unterziehen, bei welchem er herausfinden kann, wie hoch sein Jammerpotential ist. Etwas fragwürdig ist dabei jedoch die Einteilung der Ergebnisse. Alles zwischen 5 und 39 erreichten Punkten spricht dafür, dass der Leser zumindest hin und wieder jammert – und damit natürlich prädestiniert für das Lesen der folgenden Kapitel ist. Bis man zum im Titel angepriesenen 7-Tage-Entwöhnprogramm gelangt, liegen jedoch noch einige Kapitel zur Selbstfindung nach Nieth vor dem Leser. Der Weg zur Selbsterkenntnis und zu einem jammerfreien Leben ist eben lang.

Die Menge an Ratschlägen und Themen vermittelt das Gefühl, dass der Autor ein allumfassendes Selbsthilfebuch vorlegen will. Sicherlich ist der Großteil der vorgestellten Themen und Theorien Teil dessen, warum die Leute jammern und/ oder unglücklich sind, aber ist der Versuch der Bewältigung dessen gleich Grund dafür, sich rundum selbst optimieren zu müssen? Man soll sich selbst finden, mehr Egoismus an den Tag legen, Glaubenssätze formulieren, die eigenen Emotionen ergründen, die Komfortzone verlassen und besser mit Angst und Wut umgehen.

„Maktub“ heißt „es steht geschrieben“

Drei Jahre hat der Autor an dem Werk gesessen und man gewinnt den Eindruck, dass er im Laufe des Schreibens immer mehr Themen fand, die er für vermeintlich wichtig erachtete. Selbst eines der Lieblingsthemen der Feuilletonisten erhielt ein eigenes Kapitel: Smartphones zerstören die zwischenmenschliche Kommunikation. Und Jammern übrigens auch. Wer jammert, wird einsam: „Jammern stört die Kommunikation, es tötet den Dialog.“

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es in der heutigen Gesellschaft einen Hang zum Jammern gibt, obwohl es gerade Menschen in unseren Gefilden so gut gehen sollte, dass sie wenig Grund dazu hätten. First world problems, nennt man das Neudeutsch. Und es schadet auch nicht, dass sich jemand dieser Entwicklung annimmt und ihr ein wenig Bodenständigkeit entgegenbringt. Dani Nieth will jedoch noch mehr als das und das erschwert dem Leser mitunter den Weg zu der gewünschten Selbsterkenntnis. Kulturkritische Anmerkungen, wie jene mit dem Handy, Ausflüge in die Kommunikationswissenschaft und Journalistik und das Zitieren des Gelassenheitsgebetes, welches man von den amerikanischen Anonymen Alkoholikern kennt, schießen doch etwas über das Ziel hinaus.

Fazit: Dani Nieth hat ein Buch mit hohem Anspruch an sich selbst, die Leser und letztlich die moderne Gesellschaft vorgelegt. Die persönliche Sichtweise des Autors schafft es, die mitunter etwas langatmige Theorie aufzubrechen, welche zwar für das nötige Maß an Glaubwürdigkeit sorgt, welche jedoch an mancher Stelle etwas fehl am Platze und zu viel des Guten scheint. Aber wir wollen nicht jammern! Selbstreflexion schadet nie und sollte definitiv von mehr Menschen betrieben werden. Dani Nieths Buch kann in diesem Sinne als eine Art Einführung dafür gesehen werden, erweitert um das siebentägige Jammer-Entwöhnprogramm, mit welchem wir uns vielleicht auch noch einmal eingehender auseinandersetzen könnten.

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One Response to “Ein Buch gegen den Jammertrend”

  1. Steffen Nehring sagt:

    Sehr gut. Endlich mal ein Buch, das sich jeder Deutsche unters Kopfkissen legen sollte. Denn grade hierzulange ist jammern und nörgeln der Volkssport Nr. 1. Vielleicht würde dann auch die soziale Kälte ein wenig in positive Energie umgewandelt werden. Mit rund 15 Euro ist das 224 seitige Werk auch bezahlbar.

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