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Jun 23

Was tun, wenn der Nachbar nervt?

Dienstag, 20:15 Uhr – Sie haben es sich gerade auf dem Sofa gemütlich gemacht und wollen den lang ersehnten Film sehen. Es klingelt und Sie ahnen schon, wer das ist. Frau Müller von nebenan, 93 Jahre alt, will wieder mal ein Pläuschchen halten. Ja, sie mag einsam sein, aber Sie waren den ganzen Tag arbeiten und haben sich Ihren Feierabend redlich verdient.
Solche Situationen können nervig sein. Denn ihr einfach nicht aufmachen wollen Sie nicht (schließlich weiß sie ja genau, dass und seit wann Sie da sind), aufmachen und sie wegschicken wollen Sie auch nicht und aufmachen und sie hereinbitten wollen Sie schon gar nicht.
Was tun? Unser Gastautor Christian Bremer gibt Ihnen Tipps, wie sie solche und ähnliche Situationen meistern und Streit mit den lieben Nachbarn vermeiden können.

Gelassen im Mehrfamilienhaus

Für eine eigene Villa reicht das Geld noch nicht, also hat man Nachbarn. Und damit fängt das Problem an. Denn manche wissen einfach nicht, wie ein gemeinsames Miteinander funktioniert. Der eine kommentiert die falsche Müllentsorgung und der andere zeigt größtes Interesse an Dingen, die ihn nichts angehen.

Frei nach dem Motto: „Im Leben suche ich mir nicht alles aus, meine Reaktion aber schon“, ist es sehr wichtig, mit welcher Perspektive man auf das schaut, was einem im Leben passiert. Wie zum Beispiel ein nerviger Nachbar. Trainieren Sie also Ihre Geduld – so lange, bis Sie ausreichend Geld für eine Villa haben, bei der der nächste Nachbar außer Sicht- und Rufweite ist.

Die Theorie in die Praxis umsetzen

Hier zwei Vorschläge, wie Sie sich, zunächst theoretisch, grundsätzlich bezüglich nerviger Nachbarn verhalten können:

  1. Betrachten Sie das Verhalten des Anderen als Sparringspartner und willkommene Übungsgelegenheit, um im Leben mit Menschen und Situationen gelassen und souverän umzugehen. Ändern können Sie an der Sache ja meistens wenig und selbst wenn, selten sofort. Also ändern Sie Ihre Haltung.
  2. Um die eigene Stimmung zu verbessern und das eigene Aggressionspotential zu reduzieren, schlage ich Ihnen noch meine beiden absoluten Lieblings-Fokus-Fragen vor: Bin ich jetzt in Lebensgefahr? Und: Was ist das Beste, was ich jetzt tun kann? So kommen Sie von 180 auf 130 – immerhin ein kleiner Fortschritt.

In der Praxis können diese Tipps zum Beispiel wie folgt umgesetzt werden, abhängig von der jeweiligen Situation:

Tipp Nummer 1: Vorbeugen ist besser als Heilen

Seien Sie zu neuen Nachbarn besonders nett, stellen Sie sich vor (obwohl das ja an sich der Zugezogene machen sollte) und sagen Sie sinngemäß: „Hallo, ich habe gesehen, dass Sie eingezogen sind und wollte Sie nur kurz willkommen heißen!“ Nach ein paar Sätzen Smalltalk schließen Sie dann mit den für später sehr bedeutenden Worten: „Wenn Sie mal irgendwann etwas brauchen, und wenn es nur der berühmte Zucker ist, klingeln Sie ruhig! Und wenn Sie mal irgendetwas stören sollte, kommen Sie gerne zu mir und sagen Sie mir bescheid, ok?“

Wer das immer so macht, hat einen riesigen Vorteil: Mal angenommen, der Nachbar hört irgendwann morgens um 4 Uhr laute Musik und man selber will schlafen, dann kann man hingehen und sagen: „Hallo, ich hatte Ihnen ja damals angeboten, dass Sie sich melden können, wenn Sie etwas stört. Das Gleiche gilt auch für mich, denke ich. Machen Sie bitte die Musik leiser, damit ich schlafen kann. Schöne Party noch!“. Sie nutzen so das Prinzip „ich bin nett und offen zu dir, sei du nett und offen zu mir“.

Tipp Nummer 2: Sprechen Sie an, was Sie nervt – mit dem Pluspunkt

Überlegen Sie sich genau, was Sie wollen – nicht, was Sie nervt und stört. Sagen Sie also nicht: „Ihr Klingeln nervt – lassen Sie mich in Ruhe!“, sondern: „Ich brauche meinen ungestörten Feierabend, klingeln Sie also nur noch bis 18 Uhr, danach bitte nicht mehr“.

Davor sagen Sie noch etwas Herzliches (und auch wirklich so gemeintes), damit der andere sich respektiert fühlt. Erstens ist das gentleman-like und zweitens erhöht das Ihre Chancen, Gehör zu finden.

Also beispielsweise: „Frau Müller, wir wohnen hier seit drei Jahren zusammen in der Nachbarschaft und ich mag Sie sehr. Daher ist es mir wichtig, Sie um eine Sache zu bitten: Ich brauche meinen ungestörten Feierabend, klingeln Sie also bitte nur noch bis 18 Uhr, danach nicht mehr.“ Wichtig: setzen Sie kein „aber“ zwischen die beiden Teile, eher wie hier ein „daher“ oder ein „und“. So klingen Sie weniger angriffslustig.

Ihre Nachbarin wird anfangs vielleicht irritiert sein und Sie ein paar Tage lang gar nicht mehr oder nur knapp grüßen. Das macht nichts. Sie dürfen für sich sorgen. Seien Sie dabei nur nett, klar und freundlich. Außerdem wollten Sie ja eh etwas mehr Ruhe haben.

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DER AUTOR

Christian Bremer »ist sympathischer als Bill Clinton«, schreibt Die Welt. Als Redner, Autor und Seminarveranstalter ist er einer der gefragtesten, deutschsprachigen Experten für Gelassenheit. Sein Credo: »Gelassenheit ist doch kinderleicht, wenn man weiß, wie es geht.« Im Gentleman-Blog erklärt er nicht nur, wie das Leben auch mit weniger Stress zu meistern ist, sondern geht auch mit gutem Beispiel voran – garantiert frei von Esoterik.



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3 Responses to “Was tun, wenn der Nachbar nervt?”

  1. rudik sagt:

    Der Tipp Nr. 1 mit dem Vorbeugen ist echt gut, um unnötige Streitigkeiten zu vermeiden. Denn somit weiß jeder von Anfang an, was der Stand der Dinge ist. Ich schätze durch Ehrlichkeit und Verständnis lässt sich vieles vermeiden. Denn im Grunde will jeder in seiner Freizeit keinen Stress haben und ein friedliches Miteinander lebt sich auch einfach viel entspannter.

  2. Heinz Schwarzkopf sagt:

    Schönes Foto der beiden Haustüren aus Kilkenny, Irland.
    Ich wundere mich nur, weshalb die Erlaubnis zur Verwendung desselben nicht zuvor von mir eingeholt worden ist.
    Das Foto wurde von mir am 24.09.2015 in Kilkenny aufgenommen und mit meinem Copyright bei flickr gepostet.

  3. Hannah Schaffrath sagt:

    Lieber Herr Schwarzkopf,

    sicherlich sind die beiden Türen ein durchaus beliebtes Motiv.
    Das Foto wurde von einer unserer Redakteurinnen bei einem privaten Irlandbesuch aufgenommen und von uns selbständig zugeschnitten und bearbeitet.
    Bilder, die nicht von uns sind, werden von uns stets gekennzeichnet.

    Herzliche Grüße
    Ihr Gentleman-Blog Team

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