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Mrz 30

Balance war gestern

Work-Life-Integration: Berufliches und Privates gut verbinden

Die Weiterentwicklung der Work-Life-Balance

Aufgrund neuer Technik und geänderten Anforderungen verschmilzt die Grenze zwischen Berufs- und Privatleben zusehends. Damit die Work-Life-Integration gelingen kann, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Zum einen muss die Persönlichkeit des Arbeitnehmers zu dem Modell passen und zum anderen müssen die Unternehmen für die passenden Rahmenbedingungen sorgen. Personal- und Business Coach Eva Boos klärt auf.

Wenn Beruf- und Privatleben sich beißen…

Ihre To Dos für heute: Sie müssen einen neuen Pass beantragen und persönlich erscheinen. Danach Skype Call mit dem Europa Chef, zwei Telefonkonferenzen, Brown Bag-Lunch mit dem Team, ein Kind in der Kita, ein Kind im Hort abholen und mit beiden zum Fußball. Ihre Frau wartet dann schon zu Hause und dem Chef haben Sie zugesagt, dass ihr aktualisiertes Angebot am Abend noch raus geht.

Wie wäre es, wenn Sie Ihren Arbeitsplatz heute einfach an den Küchentisch verlegen könnten, nachdem Sie beim Bürgeramt waren? Ihre Telefonkonferenzen im Casual Look machen, mittags zum Team-Lunch gehen, von dort aus die Kids abholen und zum Fußball bringen. Während Sie auf die Kinder warten, beantworten Sie Ihre Mails, führen die wichtigsten Telefonate und aktualisieren das Angebot. Ihre Frau freut sich, weil Sie so früh zu Hause und entspannt sind. Für den heutigen Tag jedenfalls hat Ihre Work-Life-Integration prima funktioniert.

Flexible versus traditionelle Arbeitskonzepte

Als Business- und Personal Coach kenne ich solche Situationen sowohl von Unternehmensseite als auch von Arbeitnehmerseite. Neue Arbeitskonzepte sind auf dem Vormarsch: Horizontales Arbeiten, flexible und schnelle Reaktion auf Kundenbedürfnisse, sowie Transparenz und Vernetzung sind in vielen Unternehmen längst an der Tagesordnung.

Trotz Laptop, Internet und Cloud haben die meisten Mitarbeiter noch immer Anwesenheitspflicht und sind an einen festen Arbeitsplatz gebunden. Zu groß ist die Sorge vieler Arbeitgeber, dass Mitarbeiter ihre Aufgaben im „Anywhere Office“ nicht effizient erledigen. Umgekehrt stellen genau diese Unternehmens oft hohe Ansprüche an die ständige Verfügbarkeit ihrer Mitarbeiter – selbstverständlich ohne Rücksicht auf Freizeit oder Privatleben. Fakt ist allerdings, dass sich Privates und Berufliches in den meisten Jobs gar nicht mehr klar trennen lassen. Genauso wie der Einkauf schnell online im Büro bestellt wird, wird abends, während die Lieblingsserie läuft, noch die letzte E-Mail im Auftrag des Unternehmens verschickt.

Von der Balance zur Integration

Lange war Balance das Stichwort, das Ausgewogenheit zwischen Beruf und Privatleben darstellen sollte. Inzwischen geht es um Integration. Damit sich Berufliches und Privates gut verbinden lassen, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

1. Klarheit darüber, wie Sie leben und arbeiten wollen.

Bevor Sie bewusst einen passenden Weg für sich suchen, Ihr Arbeitsleben und Ihr Privatleben vereinen zu können, ist es wichtig, sich darüber klar zu werden, wie Sie wirklich arbeiten und leben wollen. Passt Work-Life-Integration als Arbeitsmodell zu Ihrem Leben und als Lebensmodell zu Ihrer Arbeit? Und gilt das auch für das Wochenende oder ist das davon ausgenommen? Was erfüllt sich für Sie, wenn Sie Work-Life-integrated leben könnten? Heißt das für Sie vielleicht nur einen Home-Office-Tag in der Woche? Oder sind Sie froh, wenn Sie von “9-to-5” am Arbeitsplatz sind und danach ungestört zu Hause sein können, zum Sport gehen oder Freunde treffen können? Ist das der Fall, ist es womöglich besser, ehrlich zu sich selbst zu sein. Dann entspricht es einfach nicht ihrem Lebenskonzept, Arbeit und Privatleben miteinander zu vereinen.

2. Sie sollten Ihren Job wirklich gerne machen.

Sie lieben Ihren Job und fühlen sich da, wo Sie sind, genau richtig? Das sind das die besten Voraussetzungen für ein Arbeit integrierendes Lebenskonzept. Ein kombiniertes Modell ermöglicht dem Arbeitnehmer viele Freiheiten – und dem Arbeitgeber zufriedene und effektive Mitarbeiter. Eine klassische Win-Win Situation. So können beide Seiten verantwortungsbewusst und wertschätzend miteinander umgehen. Schuldgefühle und Rechtfertigungsdruck bleiben außen vor. Gelingt es dem Unternehmen, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem der Mitarbeiter motiviert bleibt, erhöht das die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter für das Unternehmen. So können klar definierte Ziele leichter erreicht werden.

Sind Sie jedoch von dem, was Sie tun, mehrheitlich genervt oder demotiviert, lässt sich ein kombiniertes Modell zwar umsetzen, erfordert aber wesentlich mehr Energie und Disziplin, denn der Anspruch von Unternehmensseite an die gesetzten Ziele bleibt.

3. Selbständig arbeiten können.

Selbständig arbeiten heißt, für die zur Zielerreichung notwendigen Aufgaben Verantwortung zu übernehmen. Konkrete Zielsetzungen, sowohl die des Unternehmens als auch die eigenen, helfen dabei. Ein gutes Zeitgefühl, Prioritäten setzen können, Disziplin, strukturiertes Denken und Entscheidungsfreude sind wichtige Skills, um einen Alltag mit Work-Life-Integration stressfrei zu bewältigen.

Wer einfach nur ein Arbeitszeit-Modell leben möchte, um anderen gerecht zu werden, wird letztlich von den Erwartungen der anderen geleitet statt von seinen eigenen. Stabile Werte helfen dabei, sich selbst zu führen und den Erwartungen eines Unternehmens gerecht werden zu können.

Als Unternehmen ist es wichtig, eine Verbindung herzustellen zwischen dem Geschäft des Unternehmens und den Bedürfnissen der Mitarbeiter. Was aber brauchen Mitarbeiter und Führungskräfte, um ihren Job gut und mit Freude erledigen zu können? Was erfüllt sich dann für das Unternehmen?

Als Business Coach für Potenzialentwicklung und Veränderungsprozesse weiß ich aus Erfahrung, dass Menschen nichts mehr motiviert als eine sinnvolle Tätigkeit, die einen morgens gerne aufstehen lässt – weil man weiß wofür! Es geht also um eine Anpassung des Unternehmens an die Lebensbedürfnisse der Mitarbeiter, damit sich Arbeit und Leben gut verbinden lassen. Mehr Vertrauen statt mehr Kontrolle ist für beide Seiten Voraussetzung, damit es funktioniert.

Wie können Unternehmen Work-Life-Integration unterstützen?

Ein gutes Gehalt ermöglicht viel, ist für Arbeitnehmer aber oftmals keine ausreichende Gegenleistung für Arbeit. Vor allem jüngere Menschen legen Wert darauf, ihr Leben nach ihren Wünschen gestalten zu können und nicht die Arbeit ihren Lebensstil bestimmen zu lassen. Unternehmen können andere attraktive Kompensationen schaffen und damit Arbeitnehmer zufriedenstellen – das weiß ich aus meiner Coaching-Erfahrung.

Die Anpassung eines Unternehmens an die Lebensbedürfnisse der Mitarbeiter erfordert in erster Linie Flexibilität bei der Arbeitszeit. Traditionelle Arbeitszeitmodelle bieten in der Regel nicht die Möglichkeit, individuell auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmer einzugehen. Zudem muss das Unternehmen seine Ziele und seinen Anspruch an die Leistung des Arbeitnehmers konkret formulieren, damit klar ist, was von ihm erwartet wird. Nur so kann die Anwesenheit am Arbeitsplatz als Garant für Arbeitseinsatz ersetzt werden.

Konkrete Bedürfnisse erfragen und passende Angebote entwickeln

Ob zu Hause oder im Unternehmen, das Arbeitsumfeld hat großen Einfluss auf die Leistung der Mitarbeiter. Mit einem Kicker-Tisch und gefüllter Obstschale ist das jedoch schon lange nicht mehr erledigt. Wenn es Unternehmen gelingt ein Umfeld zu bieten, dass Mitarbeiter motiviert, wird sich die Arbeitsleistung erhöhen. Dabei geht es um ein angenehmes räumliches Umfeld und um die passende Kultur des Unternehmens. Wer sich wohl fühlt ist motivierter, zeigt mehr Leistungsbereitschaft und ist weniger krank.

Was brauchen Mitarbeiter eigentlich, um sich im Unternehmensumfeld so wohl zu fühlen, dass sie vertrauensvoll und verantwortungsbewusst arbeiten? Jedes Unternehmen kann per Umfrage Bedürfnisse der Mitarbeiter erfragen und im Unternehmen dann dazu passende Angebote vorstellen. Der Austausch mit Kollegen ist dabei eine enorm wichtige soziale Komponente. Das gilt im besonderen Maße, wenn gemeinsam an Projekten gearbeitet wird. Co-Working-areas sind also nicht nur wichtige Räume um zusammen zu arbeiten, sondern auch um sich auszutauschen.

Fazit

Damit Sie Berufliches und Privates gut verbinden können, müssen Sie zum einen die dafür notwendigen persönlichen Eigenschaften mitbringen. Zum anderen können Unternehmen ihre Mitarbeiter dabei unterstützen, indem sie das Arbeitsumfeld und die Unternehmenskultur so gestalten, dass sowohl Arbeiten im Büro als auch Anywhere Office möglich sein kann.

Über den Autor

Eva Boos - Coach aus Berlin - PortraitbildBeitrag von Personal- und Business Coach Eva Boos aus Berlin. Als ehemalige Führungskraft bei verschiedenen Unternehmen, Ehefrau und Mutter von drei Kindern und nicht zuletzt durch ihre Coaching-Gespräche, kennt sie das Leben aus den verschiedensten Blickwinkeln. Mit ihrem Coaching-Ansatz hilft sie ihren Kunden und Klienten, ihre Herausforderungen zu meistern und ihr Leben (wieder) aktiv in die Hand zu nehmen.



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