Archive for the ‘Stilvoller Genuss’ Category

Jul 19

Nassrasur: Männerpflege mit Tradition

Die Rasur ist das ultimative, männliche Pflegeritual. Ihre Tradition beginnt bereits in der Steinzeit: Höhlenmalereien erzählen von Männern, die mit geschärften Steinen oder Muscheln ihren Bart stutzen. Überwiegend glattrasiert waren die Ägypter – nur Könige durften als Zeichen ihrer Macht den blau gefärbten Kinnbart tragen. Sie entwickelten Klingen aus Kupfer und Bronze, die übrigens auch bei der Ganzkörperrasur zum Einsatz kamen. Die Sumerer dagegen bereiteten Rasiercremes aus Tierfett und Aschelauge zu. Schon im Mittelalter spezialisierten sich Barbiere (frz. barbe, „Bart“) auf die Bartpflege und den perfekten Umgang mit einem Rasiermesser. 1901 nahm die Rasurentwicklung mit der bahnbrechenden Erfindung von King Camp Gillette eine Wende, die bis heute wegweisend ist. Der Handelsvertreter aus Baltimore entwarf einen Sicherheitsrasierer mit austauschbarer Klinge. Soviel zur Rasurgeschichte in Zeitraffer.

Perfekt rasiert in sechs Schritten

Heute bildet die gründliche Rasur die Basis für den gepflegten Mann – dabei kehren immer mehr Männer zurück zur Nassrasur. Perfekt gelingt sie, wenn folgende sechs Schritte berücksichtigt werden.

Der erste Schritt fällt nur einmal an und ist sehr wichtig: die Bestimmung der Bartwuchsrichtung. Dabei werden Hals und Gesicht gedanklich in vier Sektionen geteilt – in die linke und rechte Gesichtshälfte und in die linke und rechte Halsseite. Damit man die Wuchsrichtung gut erkennen kann, müssen die Haare länger sein. Also am besten am Wochenende analysieren. Sind die Haare lang genug, ist zu erkennen, in welchem Winkel die Barthaare aus den Follikeln wachsen. Wer sich eine Pfeilspitze an jedes Haarende vorstellt, findet schnell die verschiedenen Wuchsrichtungen der Barthaare heraus.

Merke: Diese Analyse ist absolut notwendig. Denn es hilft Reizungen zu vermeiden, wenn mit der Wuchsrichtung rasiert wird.

Haut und Barthaare vorbereiten

Im zweiten und dritten Schritt bereitet man Barthaare und Haut auf die Rasur vor. Zunächst empfiehlt es sich, das Gesicht mit warmem Wasser und einem milden Gesichtsreiniger zu säubern. Es gibt mittlerweile zahlreiche hochwertige Pflegelinien, wie men-u, Kyoku oder Korres, speziell für Männerhaut. Warmes Wasser entspannt die Poren, darin sitzende Haarfollikel werden elastischer, die Rasur wird dadurch einfacher. Ein Pre-Shave Öl – zum Beispiel von The Art of Shaving oder Zirh – ist perfekt für kräftige Bärte, denn es weicht die Barthaare ein.

Bei empfindlicher Haut, eingewachsenen Haaren oder Pickelchen ist Rasieröl ausgesprochen empfehlenswert. Es baut eine schützende Schicht zwischen Rasierklinge und Haut auf. Das verhindert kleine Schnitte, Rasurbrand, Rötungen oder Hautirritationen. Diese Probleme entstehen vor allem durch zu starke mechanische Einflüsse wie zu hohen Druck oder stumpfe Klingen.

Rasierschaum auftragen und rasieren

In Schritt Vier wird Rasierschaum erzeugt. Zur Wahl stehen Rasierseife oder Rasiercreme; wenn es mal ganz schnell gehen soll, tut es auch der Rasierschaum aus der Dose. Für Rasierseife verwendet man eine passende Schale, in der sie auch später trocknen und aufbewahrt werden kann. Der warme, nasse Pinsel kreist so lange auf der Seife, bis ein schöner, cremiger Schaum entsteht. Für Rasiercreme benutzt man am besten einen speziellen Tiegel, füllt ihn mit warmem Wasser und stellt den Rasierpinsel hinein. Nach kurzer Zeit das Wasser ausleeren – Pinsel und Schale sind jetzt schön warm –, etwas Creme hineingeben und mit dem feuchten Pinsel schaumig rühren und auftragen. Der so erzeugte Schaum ist angenehm warm auf der Haut.

Bei Kotletten, Oberlippen- oder Spitzbart, empfiehlt es sich, klares Rasiergel zu verwenden. Es ist durchsichtig und dadurch werden die Stellen sichtbar, die nicht rasiert werden sollen.

Jetzt kommen Rasierer oder Rasierhobel zum Zug. Der Profi bevorzugt das Rasiermesser. Die Traditionsmarke Mühle hat eine große Auswahl an passendem „Werkzeug“. Die Klinge wird zunächst parallel zum Ende der Kotelette angesetzt. Rasiert wird in Bartwuchsrichtung mit kurzen, etwa drei bis fünf Zentimeter langen Zügen. Für eine absolut glatte Rasur ein zweites Mal einschäumen und quer zur Bartwuchsrichtung rasieren – und nicht dagegen.

Merke: Die perfekte Rasur steht und fällt mit einer sauberen und scharfen Klinge. Darum während der Rasur die Klinge immer wieder gründlich ausspülen und nur scharfe Rasierklingen verwenden.

Strapazierte Haut beruhigen und pflegen

Mit jeder Rasur werden dünne Hautschichten entfernt. Das stresst die Haut ungemein. Deshalb ist es wichtig, nach dem vierten Schritt professionell weiterzugehen. Die Schritte Fünf und Sechs tun der Haut Gutes: Zunächst wird das Gesicht mit warmen Wasser abgespült, um restlichen Schaum und abrasierte Hautpartikel zu entfernen. Ein Gesichtsreiniger mit Teebaumöl wirkt antibakteriell und desinfiziert Mikroschnitte. Danach Gesicht und Hals mit reichlich kaltem Wasser abspülen und mit einem sauberen Handtuch trocken tupfen – nicht rubbeln. Dann kommt das Aftershave. Für empfindliche Haut nimmt man besser eines ohne Alkohol (sog. Aftershave Balsam). Ist es eingezogen, schließt man die perfekte Rasur mit einer nährstoffreichen Feuchtigkeitspflege ab. Wer so rasiert, wird mit gesunder, gepflegter Haut belohnt.

Michael Bröske, Gründer von „gentleM. – Der gepflegte Mann“, der Onlineshop für hochwertige Herrenpflegeprodukte, gibt in Gastartikeln für den Gentleman-Blog professionelle Tipps zur Pflege rund um den Mann.

Jun 11

Der Probeschluck oder Der lange Weg zum Weinkenner

Ein sehr gut befreundeter Sommelier, gibt auf die regelmäßige Frage, wie man denn am schnellsten etwas über Wein lernen könnte, oft die recht direkte Auskunft „Trinken!“. Damit meint er nicht mehr und nicht weniger, dass Weinwissen immer sehr eng mit praktischer Erfahrung und natürlich der Speicherung dieser erlernten Eindrücke verbunden ist. Oder anders ausgedrückt: Der Weg zum Weinkenner ist ein durchaus langer, aber es ist eine wirklich schöne Zeit. Das meiste Wissen über Wein habe ich mir allerdings angelesen, nachts wenn ich aus den diversen Restaurants in denen ich gearbeitet habe nach Hause kam. Ich hatte immer zwei oder drei Weinlexika auf dem Nachttisch und habe nachgelesen was wir am selben Abend alles serviert hatten, habe die mir schon bekannten Informationen verglichen und neue aufgesaugt, die meiner Vorgesetzten mit den aus den Büchern verglichen und ab und zu sogar in verschiedenen Lehrbüchern verschiedene Auskünfte bekommen. Viel mehr erfahren habe ich aber immer in den Stunden zuvor, in den Situationen am Tisch, wenn die Weine empfohlen wurden, beim Gang in den Weinkeller wo die Flaschen aus immensen Lagerbeständen nach verschiedenen Systemen gesucht und gefunden wurden und dann natürlich beim Öffnen und beim verkosten der Flaschen, beim Lehrmeister der Sommeliers und Weinkellner: beim Probeschluck.

Langer aber schöner Weg zum Weinkenner

Der Cartoon ist weltbekannt: Ein feister Gast sitzt alleine im Restaurant und beobachtet finster den Sommelier, der die gewählte Flasche präsentiert und öffnet. Als er einen Schluck ins Probierglas füllt, dieses schwenkt, daran schnuppert und den Probeschluck nimmt, springt der Gourmond mit hochrotem Kopf auf und brüllt „Schmeckt Ihnen mein Wein?!“ Diese Situation hab ich nie erleben müssen, natürlich weiß der Gast, dass er vom Weinexperten ihres Vertrauens vor übelriechenden, korkigen, oxidierten oder andersartig fehlerhaften Negativeindrücken beschützt werden soll.

So selten diese wirklich fehlerhaften Weine auch sind, im Rahmen eines feinen Dinners sind sie doch fehl am Platz. Viele Gäste genießen auch, nicht selbst in der Verantwortung zu stehen und erkennen zu müssen, ob der Wein in der Tat in Ordnung ist oder nicht. Was die meisten Restaurantgäste aber nicht wissen, ist, welche Investition in die Zukunft sie durch die freiwillige Abgabe eines winzigen Schlückchens aus Ihrer Flasche sie tätigen. Stehen doch hinter jedem Sommelier die Stellvertreter, Stationskellner und Auszubildenden Schlange, um einen olfaktorischen oder gustatorischen Eindruck eines 1969er Dom Perignons, eines 1988er Richebourg oder eines 1961er Chateau Latour zu erhaschen und die Eindrücke zu ihrer ganz persönlichen Sammlung hinzuzufügen. Nicht nur diese Jahrhundertweine, sondern auch alle anderen Weine, die so verkostet werden, sind die Objekte der gelebten Produktschulung, die Tag für Tag und Nacht für Nacht in vielen guten Restaurants dieser Welt ablaufen. Unnötig zu sagen, dass ich immer ein gutes Verhältnis zu meinen vorgesetzten Sommeliers hatte.

Der Weg ist das Ziel – Weinproben eine gute Schulung

Wer sich, abseits einer langen Ausbildung, regelmäßigen Nachtschichten unzähligen Überstunden und sonstigen Unbillen des sonst so schönen Kellnerberufs durch regelmäßiges Verkosten guter Weine und aufsaugen der dazugehörenden Sekundärliteratur selbst zum Weinkenner machen möchte sollte regelmäßig Weinproben besuchen oder in der vinophilen Gastronomie nach moderierten Weinmenüs fragen. Auch die Möglichkeit privat kleine Bring-a-Bottle-Parties auszurichten, bei denen jeder eingeladene eine Flasche seiner Wahl mitbringt und diesen Wein kurz vorstellt. Hier sind Phantasie und Elan keine Grenzen gesetzt. Eine regelmäßige Kleinstbelieferung in Form eines Weinabos ist der dritte und sicher lehrreichste Weg, sich vinophil weiterzubilden und den langen aber schönen Weg zum Weinkenner einzuschlagen. Das allerschönste an diesem Weg ist ja die Tatsache, dass hier definitiv der schöne Weg auch gleichzeitig schon das Ziel ist.

Gastbeitrag von Matthias Martens. Im Gentleman-Blog schreibt der Weinliebhaber und Inhaber des Berliner Weinladens Planet Wein fortan regelmäßig über die vielfältige und geschmackvolle Welt der Weine.

Mai 17

Für einen guten Wein braucht man keinen Anlass, der Wein ist Anlass genug

Oft kommen Kunden oder Fremde in unseren kleinen Weinladen Planet Wein am Gendarmenmarkt in Berlin und haben selbst eine Flasche Wein dabei, bekannte oder unbekannte Tropfen. Alle diese Weine und ihre Besitzer haben eine Geschichte, wie sie zueinander gefunden haben. Manchmal möchten die Besitzer diese Weine veräußern oder zumindest den Wert der Flasche erfragen. Allerdings wird ein seriöser Weinhändler nie einen Wein, schon gar nicht eine Einzelflasche kaufen ohne um die genaue Herkunft zu wissen, jedenfalls nicht für den Weiterverkauf. Manchmal greift man dennoch zu, und öffnet den Wein auf einer Verkostung oder einfach so aus Interesse, also auf eigenes Risiko und leider wird man auch oft enttäuscht.

Viele dieser Besucher wollen eben einfach den Wert des Weines wissen, ob er noch trinkbar ist und ob und wann sie ihn öffnen sollen. Manchmal ist das einfach. Zum Beispiel kann man bei jungen, bekannten Weinen davon ausgehen, dass sie weder überlagert noch über eine entscheidend lange Zeit falsch gelagert wurden. Und da sie bekannt sind, gibt es auch einen relativ leicht zu taxierenden Wert. Schwerer wird es bei alten oder unbekannten Weinen, bei denen die Chance besteht, lange unsachgemäß gelagert worden zu sein, oder die aus unbekannten Regionen oder von so kleinen Produzenten kommen, dass man sie weder in Büchern noch im Internet wiederfindet.

Die „Grand Crux“ mit der Erwartungshaltung – sie ist der größte Feind eines Genussmomentes

Den meisten Besuchern, die mit Ihren Fundstücken und Geschenken zu mir kommen und Rat suchen, kann ich helfen. Ich sage ihnen, sie sollen den Wein so schnell wie möglich trinken, denn es gibt keine bessere Möglichkeit den Inhalt zu erfahren. Ich gehe sogar noch weiter und rate ihnen auf gar keinen Fall einen besonderen Moment abzuwarten um das vermeintliche Schmuckstück zu öffnen, denn der größte Feind eines Genussmomentes ist die Erwartungshaltung. Ich empfehle also, an einem Tag der weder ein eigener runder Geburtstag noch ein sonstiger Jubeltag ist – vielleicht einfach an einem Tag, der zum Abschluss einen guten Tropfen verdient hat – diese Flasche aufzumachen. In den allermeisten Fällen bekomme auf diesen Ratschlag später positive Resonanz, denn es gibt kaum ein schöneres Erlebnis als sich von einer guten Flasche Wein überraschen zu lassen, vor allem wenn man sie sowieso gefunden oder geschenkt bekommen hat. So baut man eine – wenn auch kurze – freundschaftliche Beziehung zu genau dieser Flasche auf, ein Wein–Quicky sozusagen, denn diese Flaschen sind meistens nicht mehr nachzukaufen – und wenn, wäre es ja auch nicht mehr der selbe Genussmoment. Zuviel Ehrfurcht oder der Versuch Kapital aus dem Fund oder Geschenk zu schlagen sind vom genießerischen Standpunkt nur kontraproduktiv. Allerdings ist es ratsam für den Fall, dass diese Flasche doch nicht mehr schmackhaft ist eine andere, gute Flasche in der Hinterhand zu haben.

1996er Chateau La Tour Carnet ein Wein für alle Fälle

Dafür eignet sich zum Beispiel ganz hervorragend ein 1996er Chateau La Tour Carnet. Das Weingut liegt in der Gemeinde Saint-Laurent im Médoc. Der Ursprung geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Im Jahre 1427 verschenkte Jean de Foix den Besitz an seinen Stallmeister Carnet, der ihm den Namen gab. Nach wechselvoller Geschichte mit vielen Besitzern ging es 1962 in die Hände der Familie Lipschitz. Seit 1999 ist es in Besitz von Bernard Magrez, dem auch das Château Pape-Clément gehört. Bei der Bordeaux-Klassifizierung 1855 erhielt es den vierten Rang (Quatrième Cru Classé). Die Weinberge mit 40 Hektar Rebfläche sind mit Cabernet Sauvignon (53%), Merlot (33%), Cabernet Franc (10%) und Petit Verdot (4%) bestockt. Der langlebige Rotwein wird 12 bis 18 Monate in zu 60 Prozent neuen Eichenfässern ausgebaut.

Der 1996er Chateau La Tour Carnetduftet nach Brombeere und Cassis und hat eine schöne Röstnote vom Barriqueausbau. Am Gaumen zeigt er sich gut balanciert mit mittlerem Körper und feinen Gerbstoffen. Momentan auf dem Höhepunkt und doch noch einige Jahre lagerfähig.

Über den Autor

»In München geboren – in der Welt zu Hause.« Mit diesem Vorsatz zog der im Bayrischen Wald aufgewachsene, und im schönen Regensburg nach einigen Semestern Geographie und Politologie der Universität entronnene Matthias Martens nach seiner Lehre zum Hotelfachmann in die weite Welt. Seine Liebe zum Wein war schon lange entbrannt und nach Lehr- und Wanderjahren in der Gastronomie erkor er Berlin als seine Wahlheimat aus. Heute führt er mit seiner Frau Anja Schröder einen der schönsten und bestsortierten Weinladen der Hauptstadt: Planet Wein am Gendarmenmarkt.

Gastbeitrag von Matthias Martens. Im Gentleman-Blog schreibt der Weinliebhaber und Inhaber des Berliner Weinladens Planet Wein fortan regelmäßig über die vielfältige und geschmackvolle Welt der Weine.

Apr 15

Sommerweine für laue Sommerabende

Ist es nicht schön, wie der Weinhandel an uns denkt? Sobald die Sonne auch nur ein wenig hinter den Wolken vorlugt, lachen an jeder Straßenecke Angebote für Sommerweine, Grillweine und Terrassentropfen. Sie versprechen leichten Genuss, gute Laune und überhaupt ein Leben in Glück und Schönheit. Aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass hier unter dem Label „sommerlich leicht“ versucht wird, die Lager von Überbeständen an banalen, saft- und kraftlosen Gewächsen zu befreien. Was also ist dran am Sommerwein?

Im Sommer sind die Sinne empfindlicher

Dass der Sommer nach anderen Genüssen verlangt als der Winter, kann wohl jeder aus alltäglicher Erfahrung bestätigen. Die schweren Rotweinpelze kommen in den Schrank bzw. Keller und im Glas soll es luftiger, charmanter, knackiger zugehen. Das hängt eindeutig mit den Temperaturen zusammen, aber auch mit dem Stoffwechsel, der sich auf die warme Jahreszeit einstellt. Wir schwitzen mehr, also steigt der Bedarf an Salzen und Mineralstoffen. Die Säureempfindlichkeit nimmt ab, und die Lust auf (und das Angebot an) Obst und Salat steigt. Die Nase kommt ständig in den Genuss von Blüten-, Frucht oder Kräuterdüften. Die Reizschwelle für Aromen steigt, d.h. intensive Düfte werden positiver erlebt als im reizarmen Winter, wo die Nase auf Düfte empfindlicher reagiert.

Mehr Frucht – weniger Alkohol

Ein guter Sommerwein bietet also nicht weniger, sondern eindeutig mehr. Mehr Mineralität, mehr Säure, mehr Frucht, mehr Duft nach Blüten oder Kräutern. Ein guter Sommerwein hat allerdings auch weniger. Weniger Alkohohl, weniger Gerbstoffe, weniger würzige Aromen wie Schokolade, Leder oder Karamell. Ein guter Sommerwein ist somit auf andere Weise intensiv als ein Winterwein – aber „leicht“ im Sinne von einfach oder dünn ist er keineswegs.

Die beiden weißen Paradetrauben für den Sommer sind der Riesling und der Sauvignon Blanc. Sie erfüllen die Heißwetteranforderung ‚knackig, mineralisch, fruchtig’ zu hundert Prozent und sind auch im unteren Preissegment weitgehend resistent gegen alle Banalisierungsversuche. Ebenfalls in die Liga der Sommerhelden gehört der Grüne Veltliner aus Österreich, der in deutschen Supermärkten allerdings nicht immer zu haben ist.

Riesling und Savigno ideal für den Sommer

Ein großes Sommerthema sind Rosé. Die Erdbeer- und Himbeeraromen, mit denen Roséweine selten geizen, passen natürlich wunderbar in die Saison. Leider übertreiben viele Erzeuger gern ein wenig und insbesondere bei günstigen Vertretern fühlt man sich farblich und im Geschmack an flüssige Gummibärchen erinnert. Einen generellen Tipp zu geben ist schwer. Aber oft haben die Südfranzosen mit ihren Tropfen die Nase vorn.

Natürlich braucht man auch im Sommer nicht auf Rotweine zu verzichten. Typische Vertreter sind gerbstoffarme Rote aus Norditalien wie der Bardolino oder Kalterersee (Traube: Grauvernatsch). Oder Sie wagen sich an deutsche Spätburgunder. Auch Österreich meldet sich mit dem Zweigelt äußerst charmant zu Wort. All diese Weine haben allerdings einen Nachteil: Eingefleischte Fürsprecher des wuchtigen, samtigen und bisweilen kantigen Rotweinstils nehmen diese Gewächse nicht für voll. Aber auch solchen Menschen kann geholfen werden. Stellen Sie ihren Lieblingsrotwein einfach in den Kühlschrank. Ab 14° Celsius wird selbst der raubeinigste Geselle sommerkompatibel.

Lesen Sie auch: Etiketten-Schwindel – oder: Woran erkenne ich einen guten Wein?


gastbeitrag-meevioDieser Gastbeitrag wurde von den Wein-Experten von meevio verfasst. Die Weinkenner veröffentlichen hier regelmäßig Artikel, die uns die Vielfältigkeit der Weine näher bringen, vom Weißwein bis zum Rotwein.

Okt 02

Etiketten-Schwindel – oder: Woran erkenne ich einen guten Wein?

wein

Jeder kennt die Geschichte vom Kollegen, dem Weinexperten, der ein Weinetikett nur kurz angucken muss, um Geschmack und Güte treffend zu beurteilen. Für viele ist damit der Wunsch verbunden, ebenfalls ein paar Tricks und Kniffe zu beherrschen, die einen ziel- und stilsicher zum „richtigen“ Wein im Regal führen. Doch derlei Tricks gibt es nicht.

Andere Länder, andere Etiketten

Wer sich intensiv mit dem Thema beschäftigt, kann aus dem Mix aus Weinregion, Rebsorte, Jahrgang und Preis sicherlich in etwa auf den Geschmack schließen. Aber ein „Trick“ im Wortsinne ist das nicht. Stattdessen ist es das Ergebnis von hartem Probieren und viel Neugier – also nichts, was einem über Nacht zufliegt.

Zudem enthalten Wein-Etiketten zwar viele festgelegte Informationen. Allerdings sind diese Festlegungen von Land zu Land und von Weinregion zu Weinregion völlig unterschiedlich. Zum Beispiel ist der Begriff „Riserva“ in Italien und Spanien ein gesetzliches Gütesiegel, während die Verwendung in anderen Ländern dem Gutdünken der Winzer obliegt. Hat man mühsam die deutschen Qualitätsstufen ‚Kabinett‘, ‚Spätlese‘ etc. begriffen, muss man feststellen, dass es diese andernorts gar nicht gibt. Und so weiter und so fort. Selbst für Weinkenner bedeutet das ein ziemliches Wirrwarr.

Drei Strategien für heikle Wein-Terrain

Wie also kann man sich halbwegs stilsicher auf diesem zwar genussreichen, aber bisweilen auch heiklen Terrain des Weines bewegen? Drei Strategien bieten sich an.

Dem Weinhändler vertrauen

Eine bewährte Strategie ist der Gang zu eine seriösen Weinhändler. Dieser berät seine Kunden und bietet bisweilen auch kleine Kostproben an. So ist zumindest sichergestellt, dass der erworbene Wein auch schmeckt. Zudem hat ein Weinhändler oft auch noch eine kleine Geschichte zum Präsentieren parat. Beim Ausschenken sollte man die Anekdote jedoch nicht mit einem „Mein Weinhändler hat gesagt…“ zum Besten geben, sondern eher weltmännischer daherkommen, zum Beispiel in dem man den Weinhändler in seinen Erzählungen weglässt und mit „Über diesen Wein sagt man…“ beginnt.

Klotzen statt Kleckern

Mit teurem Bordeaux oder Burgunder aus Frankreich, Brunello oder Barolo aus Italien, bzw. Ribera del Duero aus Spanien kann man in Sachen Image wenig falsch machen. Doch Vorsicht: Schmecken tun diese Weine nur bedingt, da man sie meist einige Jahre lagern muss, bevor sie wirklich Freude bereiten. Zudem ist es kostspielig, denn für weniger als 20 Euro sind diese Weine nicht zu haben.

Bescheiden beginnen

Die dritte Strategie lautet: Fangen Sie bescheiden an! Dazu bieten sich beispielsweise Weine aus einer bestimmten Region oder einer bestimmten Rebsorte an. Die Faustregel lautet hierbei: Probieren und daraus lernen, was den persönlichen Geschmack trifft und was nicht. Wer sie sich in einem Bereich auskennen, kann seine Begeisterung dann auch anderen mitteilen.

Stil ist…zu wissen, was gut ist! Selbst wenn auf dem Etikett nicht Bordeaux Cru Classé sondern Riesling Rheinhessen steht, kann das wider alle Etikette immens viel Stil haben.

gastbeitrag-meevioDieser Gastbeitrag wurde von den Wein-Experten von meevio verfasst. Die Weinkenner veröffentlichen hier regelmäßig Artikel, die uns die Vielfältigkeit der Weine näher bringen.