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Feb 23

„Let it be“ – Warum Aufgeben keine Schande ist

Nicht nur in dem legendären Song der Beatles spielt das Aufgeben eine wichtige Rolle. Misserfolge, Rückschläge und gescheiterte Projekte spicken unsere Biographien. Leider fällt es uns immer noch schwer, dies zu akzeptieren. Doch das muss nicht sein, denn wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.

Weichzeichner Zeit

In der Rückschau erscheinen uns gescheiterte Träume oft in einem sanften, fast liebevollen Licht. Doch in der damaligen Situation fühlt sich das Scheitern ganz anders an: kalt, bitter und unendlich schwer. Das abgebrochene Studium, der Freund, der keiner mehr ist, oder die unglückliche erste Liebe – sie alle mahnen uns an die Unabwägbarkeit unserer Vorhaben. Genau so wie die meisten Schösslinge keine stattlichen Bäume werden, überleben auch viele unserer Träume nicht den kalten Sprung in die Realität. Scheitern gehört in der Natur zum täglichen Geschäft, das können wir bei jedem Waldspaziergang “live“ erleben.

Scheitern als Chance statt als Schande

Doch während es in der Natur für die Tiere und Pflanzen schnell um Leben und Tod geht, sind unsere gescheiterten Projekte in den wenigsten Fällen existenziell. Sie lassen uns die Chance, wieder aufzustehen und etwas Neues zu wagen. Doch die Medien sowie die breite Öffentlichkeit tischen uns dagegen eine ganz andere Botschaft auf. In Film, Funk und Fernsehen wird rund um die Uhr das abgegriffene Stück „Du schaffst es auch, wenn Du es nur fest genug willst“ gegeben. Und wer etwas nicht schafft, der hat einfach nicht genug gegeben. Aber vieles liegt einfach nicht in unserer Macht. Doch die ewige Botschaft vom Durchhalten, vom eisernen zu Ende bringen von Vorhaben hat sich tief in unseren Gehirnwindungen festgesetzt.

Aufgeben befreit

Bei der Ausführung dieses Durchhaltekultes werden wir leider oft blind für das eigentliche Ziel und den greifbaren Nutzen unserer Bemühungen. Verbissen kämpfen wir uns in Richtung des ersehnten Zieles X oder Ortes Y und übersehen, dass sich die Welt um uns herum bereits gewandelt hat und wir mit ihr. So erkämpfen wir oft unter großen Opfern eine Sache, die bei rationaler Betrachtung vielleicht schon längst wieder ihre ursprüngliche Bedeutung verloren hat. Dies ist allerdings nicht als Freifahrtschein für ein vorschnelles Aufgeben aller Bemühungen zu verstehen. Durchhaltevermögen kann uns beflügeln und uns so helfen, uns gegen Widerstände weiterzuentwickeln. Doch der übertriebene Ehrgeiz kann auch unseren Blick trüben, weswegen es sinnvoll ist, unsere Ziele regelmäßig zu hinterfragen, gegebenenfalls zu modifizieren oder in letzter Konsequenz aufzugeben.

Aufgeben öffnet Türen

Beim Loslassen eines Zieles werden zudem schlagartig neue Ressourcen frei. Kurzzeitig fallen wir in ein tiefes Loch, doch schon nach kurzer Zeit packt uns wieder unsere Lust auf Veränderung. Wir beobachten unsere Umwelt aus einem neuen, nicht mehr festgelegten Blickwinkel und entdecken plötzlich eine neue Chance für unsere Leben. Hätten wir weiter an unserem alten Ziel festgehalten, wären wir blind für diese Gelegenheit gewesen, doch mit einem freien Kopf konnte der Funke sofort überspringen. Manchmal ist der gerade Weg eben doch nicht der richtige!

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2 Responses to “„Let it be“ – Warum Aufgeben keine Schande ist”

  1. Mrs. Kolumna sagt:

    Aufgeben kann auch eine neue Chance sein. Davon kann ich nämlich ein Lied singen :-)

  2. Sehr treffend zusammengefasst!

    Grüße aus dem Süden!
    Holger

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