Autoren Kontakt Impressum Datenschutz
Mrz 23

Grußformeln im Wandel der Zeiten

Grussformeln in Briefen ändern sich

Früher hieß es am Ende eines Briefes: »Mit dem Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung«. Heute stehen am Ende von persönlichen Zeilen mitunter nur noch zwei Worte: »Beste Grüße«. Stilcoach Uwe Fenner vom INSTITUT FÜR STIL & ETIKETTE erklärt im Gentleman-Blog, wie es dazu kam.

Die früher üblichen End-Grußformeln, wie „Mit dem Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung“ oder auch nur „Hochachtungsvoll“ sind selbst im Schriftverkehr mit Behörden der Formulierung „Mit freundlichen Grüßen“ gewichen. Inzwischen gilt selbst das „Freundliche Grüße“ als unpersönlicher Standardgruß, der im privaten Austausch eher als ein Zeichen von Unsicherheit oder bewusstem Abstand angesehen wird. Möchte ein Briefeschreiber mehr Verbundenheit zeigen, so schreibt er „Mit herzlichen Grüßen“ und bei noch engerer Verbindung „Mit lieben Grüßen“.

Grußformel bewusst einsetzen

Routinierte Briefeschreiber nutzen die Endgrußformel stärker für hübsche Komplimente und Höflichkeiten, welche sie u.U. noch mit guten Wünschen mischen wie etwa: „Ich freue mich schon heute darauf, Sie – wie besprochen – am nächsten Freitag wieder zu sehen, und grüße Sie bis dahin herzlich und mit verbindlichen Empfehlungen.

Mit „herzlich“ signalisiert man freundschaftliche Verbundenheit, mit den „verbindlichen Empfehlungen“ kehrt man zur höflichen Distanz zurück und hat damit scheinbar nicht Verbindbares, Distanz und Verbundenheit, elegant zusammengefügt und damit Herzlichkeit und Respekt übermittelt.

Der Brief ist noch nicht fertig. Früher bezeichnete sich der Briefeschreiber gern als der dem Adressaten treu Ergebene, als sein getreuer Freund, als sein Diener. Aus diesen Formulierungen („Ihr Ihnen stets treu ergebener Diener Friedrich Stramm“) blieb das höfliche „Ihr“ und „Dein“ bzw. „Ihre“ und „Deine“ über.

Die Bedeutung der Grußformel „Ihr Hartmut Meier“ oder „Dein Hartmut“ wird indessen heute von vielen Schreibern verkannt. Sie scheuen sich, das liebenswürdige den Adressaten ehrende „Ihr/Dein“ vor ihren Namen in der Unterschrift zu setzen, weil sie der ebenso irrigen, wie ungebildeten Auffassung sind, „Dein Heinrich“ könne Heinrich nur an seine Angebetete schicken, der er sich ‚versprochen‘ habe, der er gehöre (wie „Dein“ Schrank oder „Dein“ Kleid). Gebildete Schreiber tun deshalb gut daran, sich nicht den Makel der Unkenntnis durch Weglassen des den anderen ehrenden „Ihr/Dein“ anhängen zu lassen. An solchen Kleinigkeiten erkennt man viel!

Und was heißen „P.S.“ und „D.B.“?

Fällt einem nach Verfassen des Briefes noch etwas ein, das man dem Adressaten noch mitzuteilen wünscht, so vermerkt man das unter „P.S.“ (latenisch: Post-Skriptum, zu deutsch: Nach dem Geschriebenen). Unter dem „Post-Skriptum“ kann es durchaus noch eine zweite Nachbemerkung, ein „P.P.S.“ (Post Post-Skriptum) geben.

Bei einem Brief, den man nicht durch einen Postservice versendet, sondern durch einen Boten überbringen lässt, kennzeichnet man dieses durch die Aufschrift „D.B.“ (Durch Boten) auf dem Umschlag. Wird der Brief nicht durch einen bezahlten Boten, sondern durch einen Freund o.ä. überbracht, klebt man den Brief nicht zu. Das Zukleben müsste vom Überbringer als Beleidigung aufgefasst werden, weil er das Gefühl haben müsste, der Versender traue ihm zu, das Briefgeheimnis zu brechen und den Brief zu öffnen.

Lesen Sie auch:
Der Brief- und E-Mail-Knigge
Kondolieren – die richtigen Worte in schwerer Zeit
Postkarten schreiben: Geheimtipp für Individualisten

Der Autor

Beitrag von Uwe Fenner, Leiter des Instituts für Stil und Etikette. Der Beitrag stammt aus seinem Buch „Erfolgreich mit Stil„. Darin schreibt er über Knigge und Benimm in allen Lebenslagen.



SHOEPASSION.com Banner

2 Responses to “Grußformeln im Wandel der Zeiten”

  1. Kristin sagt:

    Die Formulierung „mit verbindlichen Empfehlungen“ finde ich doch sehr verstaubt und sie gehört meines Erachtens auf jeden Fall in die „Mottenkiste“. Unter Juristen mag dieser Schreibstil ja noch üblich sein, der modernen Korrespondenz entspricht er nicht mehr. Freundschaftliche Verbundenheit und Distanz auf diese Art zu mischen halte ich nicht für sonderlich gelungen.

  2. Tina sagt:

    Hallo Uwe,
    Vielen Dank für diesen ausführlichen und hilfreichen Beitrag! Ich als Fachübersetzerin lese nur noch selten am Ende eines Briefes: »Mit dem Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung«. Respektlos.
    Mit lieben Grüßen, Tina

Kommentar schreiben

You must be logged in to post a comment.