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Sep 18

‚Mall of the World‘: Klima-Projekt in Dubai als Vorbild für die WM Katar?

Die Mall of the World bei Nacht

Es klingt nach wie vor nach einer Schnapsidee, eine Fußball-Weltmeisterschaft in einem Brutkasten wie Katar austragen zu wollen. Soll die WM dort tatsächlich im Sommer 2022 stattfinden, muss das Temperatur-Problem gelöst werden. Dubai macht vor, wie es klappen könnte: Der Scheich lässt dort ein ganzes Stadtviertel klimatisieren.

Gegen die Hitze in Katar war Brasilien ein Kindergeburtstag

In Katar sind im Sommer bei Außentemperaturen von 50 Grad eine Luftfeuchtigkeit von 85 Prozent keine Seltenheit. Zum Vergleich: Bei der WM 2014 in Brasilien wurden am heißesten Austragungsort Fortaleza 29 Grad im Schatten bei einer Luftfeuchtigkeit von 60 Prozent gemessen. Schon dort war die Hitze kaum auszuhalten. Fans flüchteten von ihren Plätzen, und für die Spieler erlaubte die Fifa Trinkpausen, damit sie nicht kollabierten.

Bislang halten die Fifa-Verantwortlichen an der strittigen Vergabe nach Katar fest. Zwar ließ Verbandschef Sepp Blatter kürzlich verlauten, dass auch er es etwas fragwürdig findet, während der Sommermonate in dem Wüsten-Emirat eine WM spielen zu lassen. Doch gegen eine Verlegung in die Wintermonate regt sich Widerstand bei den nationalen Fußball-Verbänden und dem internationalen Ski-Verband FIS, der verständlicherweise eine Überlappung mit den Olympischen Winterspielen 2022 verhindern will. Welchen Ausweg gibt es also aus der Misere, wenn niemand am Austragungsort selbst rütteln will?

Mega-Projekt „Mall of the World“ in Dubai gegen die Hitze

Im Nachbarland, den Vereinigten Arabischen Emiraten, herrschen dieselben klimatischen Bedingungen wie in Katar. Im Sommer erreichen die Temperaturen in Dubai häufig die Schmerzgrenze: Am Tag werden es oft unerträgliche 43 Grad, und selbst nachts liegen die Temperaturen nur zehn Grad darunter.

Deswegen hatte der Scheich Muhammad bin Rashid al-Maktoum die Idee, dem besten Architekten der Vereinigten Arabischen Emirate den Auftrag für den Bau eines komplett klimatisierten Viertels zu erteilen: Es wird vor den Toren Dubais entstehen und trägt den Namen „Mall of the World“. Eine gigantische Glaskuppel soll die Hitze von dieser Miniaturstadt fernhalten, während ein ausgeklügeltes Klimaanlagensystem dafür sorgen wird, dass die Temperatur immer angenehm frisch bleibt. Wenn der heiße Sommer vorbei ist, wird die Kuppel geöffnet, um das Viertel ganzjährig attraktiv zu machen.

Im Inneren der riesigen Glaskuppel sollen sich mehr als 180 Gebäude, Hotels und luxuriöse Wohnbauten, eine Wellness-Zone, ein Einkaufszentrum im Stil der berühmten Oxford Street in London, ein Themenpark und eine Reihe von Theatern im Stile des New Yorker Broadway befinden. Darüber hinaus werden 50.000 Parkplätze zur Verfügung stehen.

Das Projekt der „Mall of the World“ ist das erste Experiment dieser Größenordnung gegen die Hitze und dürfte pro Jahr die Aufmerksamkeit von mindestens 180 Millionen Besuchern auf sich ziehen. Die Bauarbeiten für diese neuen Luxusimmobilien in Dubai dürften Ende 2014 beginnen.

Mall of the World Pictures

Geschmacksfragen und Umweltaspekte

Wie erste Informationen erkennen lassen, wird es sich um ein futuristisches Viertel handeln: Da der Scheich, der den Bau der „Mall of the World“ selbst finanziert, eine Schwäche für futuristische Wolkenkratzer hat, ist es wahrscheinlich, dass alle Gebäude seinem Geschmack entsprechen werden.

Aber neben all dem zukunftsorientierten Design wird auch der Umweltfaktor nicht vernachlässigt. Ausgeführt vom Architektenbüro Dubai Holding, sieht das Projekt ein umweltverträgliches öffentliches Nahverkehrsnetz sowie Vorrichtungen zur Luftreinigung vor.

Vorbild für die WM in Katar?

Das hört sich doch eigentlich nach einem guten Modell an, das auch für Katar eine Option sein könnte. Denn auch in Katar tüftelt man schon an ähnlichen Lösungen. Die Einrichtung eines klimatisierten Fan-Zelts für die WM 2014, in das lediglich 1.500 Personen hineinpassten, ließ aber nicht wirklich Feierstimmung aufkommen.

Ebenso wird an Stadien gefeilt, die eine angenehme Temperatur bieten sollen. Im Al-Bayt-Stadion sollen den Plänen zufolge 60.000 Zuschauer Platz finden. Es wurde einem Nomadenzelt nachempfunden, verfügt über ein bewegliches Dach, soll voll klimatisiert sein und jederzeit ideale Temperaturen bieten: kühl im Sommer, angenehm warm im Winter.

Wie im Al-Bayt sollen auch in den anderen elf WM-Stadien, von denen insgesamt acht Neubauten sind, Temperaturen von maximal 27 Grad herrschen – selbst bei offenem Dach. Großflächige Solaranlagen rund um die Stadien sollen die für die Kühlung nötig Energie erzeugen.

Die Wertfrage

An Ideen und dem nötigen Kleingeld scheint es also nicht zu mangeln. Aber ist es dieser ganze Aufwand wert, eine Fußball-WM an einem Ort austragen zu wollen, der rein klimatisch nicht dafür ausgelegt ist? Neben der Gesundheit der Spieler steht dann vielleicht sogar wirklich die Freude am Zuschauen auf wackligen Beinen.

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Der Autor

Artikel von Christine Kleiter von LuxuryEstate.com. In ihren Beiträgen führt sie die Leser die Welt des Luxus ein, weiß aber auch, dass man mit Geld nicht alles kaufen kann.



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One Response to “‚Mall of the World‘: Klima-Projekt in Dubai als Vorbild für die WM Katar?”

  1. Friedrich August sagt:

    Ich muss der Autorin klar widersprechen. Das Design dieses Projekts ist nicht zukunftsorientiert sondern einfach nur der Gipfel der Geschmacklosigkeit, die glasierte Neureichen Proleten in der ganzen Welt verbreiten. Ein Volk das vor 50 Jahren noch in Zelten und Lehmhütten ihr Dasein fristete kann über Nacht kein Empfinden für Stil und Esprit entwickeln. Leider ist dies ein weltweiter Trend der auch das Herz der Zivilisation in Europa erreicht hat seitdem Kleinbürger und pseudointellektuelle Aufsteiger die Deutungshoheit für sich beansprucht haben. Kultur und Geschmack können sich nur in Anbetracht der Traditionen der Jahrtausende entwickeln und nicht dem Schoß von Arbeiter-, Beamten und Bauernkinder entspringen.
    Mit den Besten Empfehlungen
    F. A. v. O.

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