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Mai 22

Verschlussache beim Wein

Korken oder Schraubverschluss?

Korken oder Schraubverschluss

Eines Vorweg – sowohl der traditionelle Korken als auch der moderne Schraubverschluss sind hervorragende Verschlussmöglichkeiten für eine Weinflasche. Beide Varianten halten bei richtiger Lagerung dicht und schützen den Wein vor fremden, mitunter schädlichen Einflüssen. Der Schraubdeckel erfüllt diese Aufgabe insgesamt etwas besser als der Korken, dafür hat jener aber wiederum andere Vorteile. Und auch vor dem berüchtigten Korkfehler schützt man sich nicht endgültig durch den Schraubverschluss oder andere Methoden wie Glas oder Keramik. Dieser besondere Weinfehler hat eine ganz andere Ursache.

Schraubverschluss setzt sich zusehends durch

Man kann sich gar nicht wirklich dagegen wehren. Die Produktion der Weinflaschen mit Schraubverschluss steigt. Rein technisch gesehen, ist dagegen auch nur wenig einzuwenden. Die Aufgabe eines Verschlusses ist es eben, den Wein so gut wie möglich von seiner Außenwelt abzuschotten und ihn so vor schädlichen Einflüssen zu schützen. Dies können zum Beispiel unangenehme Kellergerüche sein oder zu schnelles Altern durch übermäßigen Sauerstoffkontakt. Und genau dies erledigt der Schraubverschluss nahezu perfekt. Er dichtet zuverlässig ab und ist darüber hinaus noch äußerst haltbar.

Ein weiterer Vorteil des Schraubverschlusses liegt in seiner Handlichkeit. Man benötigt keinen Weinöffner oder auch Kellnerbesteck, um in den Genuss des köstlichen Inhaltes zu kommen. Das macht ihn für Picknicks im Sommer ideal. Hand drauf, kurz gedreht und knack, dann kann man einschenken.

Zudem kostet ein Schraubverschluss auch deutlich weniger in der Produktion, wodurch der Flaschenpreis für den Konsumenten fällt. Ein Korken kostet im Schnitt ca. einen Euro, ein Schraubdeckel nur ein paar Cent. Finanziell ein klarer Vorteil, vor allem bei einer großen Sammelbestellung, um den heimischen Weinkeller zu füllen.

Der traditionelle Korken für die besonderen Momente

Der größte Nachteil bei einem Korken ist sein natürliches Material. Er verlangt bei längerer Lagerung die horizontale Ebene, damit der Wein den Korken von innen befeuchten kann, ansonsten wird er porös und dichtet nicht mehr ab. Entweder bröselt der Korken dann beim Öffnen der Flasche in den teuren Wein oder, was noch schlimmer ist, durch die fehlerhafte Abdichtung gelangt viel Luft von der Umgebung in die Weinflasche. Durch Temperaturschwankungen dehnt sich der Wein aus und zieht sich wieder zusammen, was wiederum zu einem Austausch mit der Umgebungsluft führt. Dann kann es passieren, dass sich modrige Kellerdüfte zum Bouquet des Weins gesellen. Das ist in der Regel wenig appetitlich. Ähnliches kann übrigens auch geschehen, falls die Luftfeuchtigkeit im Weinkeller zu hoch ist.

Der Korken in Weinflaschen besitzt aber auch zweifelsohne seine Vorzüge. Achtet man auf die korrekte Lagerung, hat man kaum Probleme zu befürchten. Dafür belohnt er dann mit einem stärkeren „Atmen“ des Weins. Darunter versteht der Kenner den kontrollierten und vor allem gewollten Sauerstoffaustausch mit der Umgebung – so kann der Inhalt auch nach der Abfüllung noch langsam weiter reifen. Gerade bei starken und tanninreichen Rotweinen kann dies zu einem angenehmeren Aromenbild sowie einem harmonischeren Körper führen. So sagen zumindest die meisten Weinexperten – ganz einig sind sich die Fachleute und sonstigen Weinliebhaber hier allerdings nicht.

In manchen Situationen macht ein Korken aber einfach mehr her. Sicher, manchmal möchte man lieber schnell und unkompliziert an den Inhalt der Flasche kommen und rasch nachschenken. Aber es gibt Momente, da ist das Ritual mit dem Korkenöffner und dem finalen „Plopp“ schlichtweg schön und stilecht. Sei es bei einem schönen Kaminwein (sprich starker Rotwein) zu einem guten Buch, oder während eines romantischen Dinners. Dann gehört für viele je nach Gericht ein Korkenwein dazu.

Korkgeruch entsteht nicht ausschließlich durch den Korken

Der immer wieder auftretende Korkgeruch lässt sich auf 2,4,6-Trichloranisol (kurz TCA) zurückführen. Ohne allzu chemisch zu werden: Dieser Stoff gelangt auf unterschiedlichste Arten in den Wein. Eine häufige Ursache ist die Baumrinde, aus der Kork gewonnen wird. Wenn diese zum Beispiel durch immer wieder entfachte Feuer in den Anbaugebieten beeinträchtigt wird, kann TCA entstehen. Dann landet sie am Ende auch im Wein. Doch TCA findet sich nicht nur dort, man fand es auch bereits in anderen Lebensmitteln wie Kaffee oder Bier sowie an den Anlagen im Weinkeller selbst, zum Beispiel an Schläuchen, Tanks, Filtern, Pumpen und Holzpaletten. Wenn in einer solchen Anlage ein Wein abgefüllt wird, dann hilft auch kein Schraubverschluss.

Vertrauenswürdige Schätzungen reichen übrigens von 0,5 bis hin zu 5 Prozent betroffener Weinflaschen. Daher gibt es im Restaurant auch immer den obligatorischen Probeschluck, bevor der Wein für alle Personen am Tisch eingeschenkt wird.

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Der Autor

CAPREO LogoDaniel Villbrandt arbeitet bei CAPREO, dem Spezialisten für südafrikanischen Premiumwein. Im Gentleman-Blog schreibt er regelmäßig über Genuss, Gastronomie und alkoholische Leckereien.



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3 Responses to “Korken oder Schraubverschluss?”

  1. Friederike sagt:

    Wirklich schwierige Entscheidung. Persönlich bevorzuge ich aber doch den Korken. Hat vielleicht aber auch was mit Nostalgie und Traditionsbewusstsein zu tun. Andere Menschen mögen da offener für Innovationen und Modernes sein.

  2. Peter sagt:

    Gut recherchierter Artikel. Da die Kategorie aber „Stilvoller Genuss“ heißt, kommt eigentlich nur der Korken in Frage. Schraubverschluss ist OK, wenn man Wein zum Kochen nutzt, aber echte Gentleman greifen dann doch zum Korkenzieher. Das „Plöp“ und das riechen am Korken gehört meiner Meinung nach einfach dazu.

  3. Hendrik sagt:

    Alles sehr richtig. Der Korken hat natürlich mehr nostalgische und intensivere Emotion. Der Schraubverschluss ist im Endeffekt aber sinnvoller.
    Er hat noch einen weiteren Vorteil. Er ist viel ökologischer als der Korken. Der Naturkork, der aus Korkeichen hergestellt wird, wird dadurch natürlich knapper und die Verarbeitung ist unökologischer.

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