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Aug 09

Investments: Aktien statt Edelmetall

Goldige Zeiten? Von wegen!

In Gold investieren

Gold steht bei Anleger in der Gunst ganz weit oben. Wertbeständig, wertvoll, wertgeschätzt. Der sicherer Hafen schlechthin. Nur hat das gelbe Edelmetall in der Staats- und Schuldenkrise der vergangenen Jahre als Anlageklasse versagt. Börsen-Expertin Jessica Schwarzer erklärt im Gentleman-Blog, warum Gold an den Hals einer Frau, an Armgelenke oder Finger aber bitte nicht in den Tresor oder ins Depot gehört. Es gibt bessere Investments.

Die Faszination des Goldes

Der Faszination des Goldes erliegen die Menschen seit vielen Jahrtausenden. Es ist von jeher ein Zeichen von Reichtum. Und es verspricht Sicherheit. Seit jeher ranken sich unzählige Mythen und Legenden um das gelbe Edelmetall. Vielleicht liegt es daran, dass es auch als Anlageklasse so große Strahlkraft hat.

Oder muss es eher „hatte“ heißen? Der Goldpreis ist in den vergangenen Wochen und Monaten auf ein Fünfjahrestief gefallen. Übersetzt heißt das: Gold ist schlicht out, zumindest bei Großinvestoren, die mit ihren Mega-Käufen und Verkäufen die Preise bewegen. Wer als Kleinanleger sein Erspartes in Münzen – oder wenn es ein bisschen mehr ist – in Barren gesteckt hat, sitzt auf dicken Verlusten.

Gold ist unproduktiv

Der Nachteil von Gold für Wertanlage: Kapital, das in Gold steckt, arbeitet nicht. Das Edelmetall ist kein produktives Gut. Es erwirtschaftet nichts, folglich schüttet es auch nichts aus. Rendite gibt es einzig in Form von Kursgewinnen. Das ist bei Aktien ganz anders. Unternehmen wirtschaften, sie machen im Idealfall Gewinne.

Wenn Sie Anteilsscheine einer Firma kaufen, beteiligen Sie sich am Produktivkapital. Läuft es gut, bekommen Sie sogar eine Gewinnausschüttung in Form einer Dividende. Die Dax-Konzerne haben im laufenden Jahr im Schnitt etwas mehr als drei Prozent ausgeschüttet. Sind noch andere Anleger von „Ihrem“ Unternehmen überzeugt, wird auch sein Aktienkurs steigen.

Der Goldpreis steigt nur, wenn sich genügend Käufer finden, die bereit sind, höhere Preise zu zahlen. Aus welchem Grund auch immer; Angebot und Nachfrage. Der Barren, der in ihrem Tresor liegt, ist morgen noch der gleiche Barren wie heute. Unternehmen entwickeln sich weiter, produzieren, verdienen Geld. Gold hingegen liegt nutzlos rum.

Gold ist nicht risikoarm

Und nebenbei verfällt sein Wert. Gerade mal knapp 1100 Dollar kostet die Feinunze noch. In den vergangenen drei Jahren ist der Preis um mehr als 30 Prozent zurückgegangen. Manche Experten sehen ihn schon auf 800 Dollar abstürzen. So viel zum Thema, Gold sei besonders risikoarm.

Vor vier Jahren schien ein solcher Kursverfall noch undenkbar. Im September 2011 erreichte das Edelmetall einen Rekordwert von 1920 Euro pro Unze – ein Allzeithoch. Die Schuldenkrise in Europa ließ die Investoren scharenweise in die als krisenfest geltende Anlage flüchten. Diesen Ruf scheint das Gold vorerst verloren zu haben. Heute zeigt sich der Goldpreis völlig unbeeindruckt von geopolitischen Krisen. Weder die Ukraine-Krise noch das neuerliche Gezerre um Griechenland trieb Anleger in den einstiegen sicheren Hafen.

Gold eine sichere Krisenwährung?

Das Gold eine Krisenwährung ist, könnte zum nächsten Legende, zum nächsten großen Mythos werden. Lassen Sie Ihr Geld lieber arbeiten, liebe Gentlemen. Und wenn Sie unbedingt in Gold investieren wollen, dann schenken Sie Ihrer Liebsten Schmuck. Vielleicht bezahlen sie den ja künftig sogar mit den Dividenden, die Ihre Aktienengagements Ihnen bringen.

Warum viele Investoren trotz des Wertverfalls an dem gelben Edelmetall festhalten, in den Jahren der Hausse sogar weiter Gold gekauft haben, kann ich nicht nachvollziehen. Es scheint ein magischer Bann zu sein, der sie für Gegenargumente taub und blind sein lässt. Mit sachlicher Analyse hat das wenig zu tun.

Gold spaltet die Lager

Bei keiner anderen Anlageklasse kochen aber auch die Emotionen derart hoch wie beim Gold. Schauen Sie mal in Internetforen. Es scheint nur zwei Lager zu geben: Die einen lieben, ja glorifizieren Gold und lassen nichts darauf kommen, die anderen hassen es.

Nun könnten Sie, liebe Gentlemen natürlich auf die Erholung des Goldpreises setzen. Doch davor würde ich warnen. Experten erinnert die aktuelle Goldpreisentwicklung übrigens sehr an 1980. Damals halbierte sich der Goldpreis innerhalb von zwei Jahren. Anschließend kam es zwar immer wieder zu kurzfristigen Erholungen, es dauerte allerdings knapp 20 Jahre – nämlich bis 2001 – bis der Goldpreis wieder zu einem positiven Trend fand. Wer auf langfristig steigende Preise hofft, muss also womöglich viel Geduld mitbringen.
Goldkurs sinkt

Aktieninvestments sind rentabler

Investieren Sie lieber in Aktien, zumindest einen Teil Ihres Ersparten. Deren Rendite ist besser und langfristig sowieso unschlagbar. Während nämlich der Goldpreis in den letzten drei Jahren um 30 Prozent abgestürzt ist, kletterte der Deutsche Aktienindex in dieser Zeit um mehr als 160 Prozent in die Höhe. Der amerikanische Standardwerteindex Dow Jones schaffte im selben Zeitraum immerhin ein Plus von etwas mehr als 130 Prozent. Davon können Goldanleger nur träumen.

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Die Autorin

Finanz-Expertin Jessica SchwarzerDie Historikerin und leidenschaftliche Börsianerin Jessica Schwarzer schreibt seit über 15 Jahren über Geldanlagen und ist Chefkorrespondentin Börse beim Handelsblatt, Deutschlands führende Wirtschafts- und Finanzzeitung. Ihr aktuelles Buch heißt „Gierig. Verliebt. Panisch. Wie Anleger ihre Emotionen kontrollieren und Fehler vermeiden“.



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6 Responses to “Goldige Zeiten? Von wegen!”

  1. Danke für diesen spannenden Artikel! Tja, rational lässt sich das Goldfieber wirklich nicht erklären. Persönlich finde ich allerdings, dass Gold ganz einfach „Good Vibes“ ausstrahlt. Es kann deshalb nicht schaden, immer eine kleine Goldmünze in der Brieftasche zu haben – als Notgroschen und Geldmagnet. Es bringt einen Hauch Magie in die ansonsten doch sehr kopflastige Welt der Finanzen.

  2. Friedhelm sagt:

    Vorweg kurz dieses:
    …sobald in Qualitätsmedien wie „Gentleman-Blog“ über den Niedergang einer Anlageklasse geschrieben wird, sollte man unbedingt kaufen…Es gibt kaum einen besseren Kontraindikator

    Nun zu Ihren Thesen, die in dieser oder leicht abgewandelter Form überall dort verbreitet werden, wo Gold Bashing betrieben wird

    1.) „…Es erwirtschaftet nichts, folglich schüttet es auch nichts aus. Rendite gibt es einzig in Form von Kursgewinnen Rendite gibt es einzig in Form von Kursgewinnen. Das ist bei Aktien ganz anders…“
    Interessante These. Wie erklären Sie, dass die völlig überbewerteten Tech-Aktien (Zalando lässt grüßen) Großteiles auch null Dividende zahlen, aber sehr nachgefragt sind? Ergo, regelmäßige Ausschüttungen sind keine Voraussetzung für eine hohe Nachfrage nach einer Anlageklasse.

    2.) „…Warum viele Investoren trotz des Wertverfalls an dem gelben Edelmetall festhalten, in den Jahren der Hausse sogar weiter Gold gekauft haben, kann ich nicht nachvollziehen…“
    What? Ihrer Meinung gibt es nicht einen Grund in Gold zu investieren? Staatschuldenkrise, Weltweite Abwertungsrun aller Währungen, Geopolitische Risiken sind alles keine Gründe? Auch wenn man kein Gold-Fan ist, eine solch einseitige Beurteilung der Anlageklasse Gold spricht dafür, dass Sie von der Materie entweder 1.) null Ahnung haben oder 2.) die Leute bewusst in die Irre führen wollen. Sollte Punkt 2.) der Fall sein, passen Ihre Beiträge bestens in diesen Blog, da die Männer, die diese Seite aufrufen vermutlich mehr Ahnung von Schuhen als Investments haben und daher gar nicht nachvollziehen können, wie einseitig Sie die Sache betrachten…
    Daher mein Tipp an die Personen, die sich mit Investments wirklich auseinandersetzen wollen: Im Gentlemens-Blog über Schuhe informieren und für Informationen über Investments seriöse Seiten aufrufen, da die gibt es im Netz nämlich einige.

    Viele Grüße,
    Friedhelm

  3. …..es ist nicht alles Gold, was glänzt….Danke für diesen wunderbaren Atikel.

    Beste Grüße die Männer Werft

  4. Goldbua sagt:

    Seh ich auch so: Sobald die Analysten und Experten die ersten Klagelieder anstimmen, sofort kaufen!

    Klar hat der DAX in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt, freut mich für die ganzen Aktienbesitzer. Aber wer zum Beispiel überzeugter Aktionär von Firmen wie RWE, E.ON oder der Commerzbank ist, hatte in den letzten Jahren nicht so viel Spaß an seinem Investment.

    Dagegen kann man sich darauf verlassen, das physisches Gold immer noch als Sicherheitsfaktor gesehen und in Krisenzeiten entsprechend nachgefragt wird. Auch aktuell, wie z. B. in Österreich http://www.goldpreis.de/News/M%C3%BCnze+%C3%96sterreich%3A+Euro-Krise+steigert+Goldabsatz_nid_764

    Bei Aktien bin ich mir da nicht so sicher. Darüber hinaus sollte man auch nicht sein gesamtes oder einen Großteil seines Vermögens in eine einzige Anlageklasse stecken. Ein paar Feinunzen Gold für den Notfall (am besten Mal in Argentinien oder Griechenland nachfragen) reichen bereits aus.

  5. Sabrina sagt:

    Ich habe eigentlich immer gedacht das Gold eine sichere Anlage ist. Es überrascht mich jetzt doch das Gold so fällt.

  6. Lucien sagt:

    Gold als Kapitalanlage macht meiner Meinung noch wenig Sinn. Aber mal sehen, wie sich der Goldpreis in den kommenden Jahren noch entwickelt. Ich bin sehr gespannt!

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