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Dez 09

Bourbon Legends

Master-Distiller Fred Noe im Gespräch

1623-240

Im Rahmen des Bourbon Legends Event von Jim Beam hatte der Gentleman-Blog die Gelegenheit, mit dem Master-Distiller und der 7. Generation von Jim Beam, Fred Noe zu sprechen und ihn über Bourbon im Allgemeinen und im Speziellen zu befragen. Fred Noe präsentierte sich dabei als sehr freundlich, redegewandt und nicht verlegen, auch die ein oder andere Anekdote zu präsentieren.

Der Gentleman-Blog im Gespräch mit Fred Noe

Mr. Noe, was ist Bourbon für Sie? Nur ein guter Drink? Oder doch eher eine Mission?

Seit ich denken kann, ist Bourbon ein Teil meines Lebens. Mein Vater, übrigens auch Master Distiller bei Jim Beam, hat mich schon mit in die Destillerie genommen, als ich noch ein kleiner Junge war. Bei uns in Kentucky betrifft die Bourbon-Herstellung sehr viele Familien, immerhin gilt Kentucky weltweit als Bourbon-Hauptstadt schlechthin. Wir sehen Bourbon einfach als selbstverständlich an, weil er allgegenwärtig und Teil unserer Heimat ist. Außerdem ist es schon ziemlich cool zu sehen, wie die Flaschen, die wir herstellen auf der ganzen Welt getrunken werden.

Stellen Sie Whiskey auch privat als Hobby her? Vielleicht Sorten, die nicht marktreif sind? Oder geht alles direkt in den Betrieb?

Alles, was wir machen, machen wir direkt bei Jim Beam. Ich trinke genau dieselben Bourbons wie alle anderen auch. Es gibt also keine geheimen Fässer, die nur für meine Familie reserviert sind. Das denken zwar viele Leute, aber das stimmt nicht.

Was ist für Sie der beste Part an Ihrem Beruf? Der Herstellungsprozess selbst, oder doch die Reisen, die Sie in die ganze Welt führen?

Was ich an meinem Beruf tatsächlich am meisten liebe, ist das Gespräch mit Fans von Jim Beam. Wenn ich ihnen erzähle, wie wir unseren Bourbon herstellen und wie ihre Gesichter aufleuchten, wenn sie unsere Produkte probieren. Vor allem bei Menschen, die keine großen Bourbon-Fans sind und plötzlich bemerken: Wow, das ist ja echt ziemlich gut.

Das fühlt sich an wie eine Belohnung für die Mühen, oder?

Genau das. Diese Zufriedenheit und dieses Leuchten in ihren Augen. Weil es sich einfach gut anfühlt, etwas herzustellen, was auf der ganzen Welt geliebt wird.

Gibt es Geschmacksrichtungen oder Produkte, die Sie immer mal machen wollten, aber keine Möglichkeit dazu hatten? Haben Sie solche Produkte für die Zukunft geplant?

Mein Sohn Freddy, der ja bereits die achte Generation bei Jim Beam ist, hat die letzten Jahre im Unternehmen gearbeitet und alles von der Pike auf gelernt. Wir arbeiten zusammen an… naja, es wird von Kollegen als mein „Legacy Bourbon“ bezeichnet. Ganz ähnlich wie Booker’s das Vermächtnis von meinem Vater ist. Für mich ist es einfach das pure Vergnügen, mit meinem Sohn so etwas zu erschaffen, wie ich es einst mit meinem Vater getan habe. Das erfüllt mich auch mit Stolz. Und mein Sohn hat dann etwas, was er mit in die Zukunft nehmen kann, wenn ich mal nicht mehr bin. Aber das hat ja zum Glück noch Zeit.

Wie oft trinken Sie eigentlich Whiskey in Ihrer Freizeit?

Ich genieße fast jeden Abend einen kleinen Drink, und das würde ich nicht Arbeit nennen. Meistens nach dem Abendessen, ein kleiner Bourbon auf Eis vor dem Fernseher. Und natürlich auch mit Freunden. Mit meinem Nachbarn sitze ich oft zusammen und rede beispielsweise über die Jagd. Wir jagen beide, und er hat mir auch frisches Wild versprochen, wenn ich zurückkomme. Ich hoffe, er findet einen ordentlichen Hirsch, darauf freue ich mich schon.

Was ist Ihre Meinung zu Mixgetränken mit Jim Beam? Gibt es den perfekten Weg, Bourbon zu trinken?

Ich habe immer das Gleiche gesagt, und ich werde damit auch oft zitiert: Trink so, wie es dir verdammt nochmal schmeckt! Beim Bourbon Festival dieses Jahr hat mein Sohn, der sich um dieses Social Media-Zeug kümmert, sogar ein Hashtag draus gemacht: #drinkitanydamnwayyouwant. Ich hatte davon erst gar keine Ahnung, aber sie hatten wohl viel Spaß damit. Ich bin auch der Meinung, dass manche Leute es zu ernst nehmen mit der Frage, wie man seinen Bourbon trinken sollte. In all den Jahren habe ich wirklich jede Kombination gesehen. Meine eigene Mutter trinkt ihn mit Ginger Ale und Eis. Und sie liebt den White Label. Sie hatte ja nun jede Gelegenheit, über die Jahre unsere Produkte zu trinken, aber jedes Mal sagt sie: „Okay, das ist gut, aber ich trinke lieber White Label.“ Das ist einfach ihr Geschmack. Und einige Leute mögen es mit Soda oder mit Cola, und das ist in Ordnung. Es gibt dafür keine Regeln.

Und was würden Sie einem Bourbon-Anfänger empfehlen?

Was ich den Leuten immer wieder erzähle: Wenn Sie Bourbon trinken und dann das Gesicht verziehen, war er einfach zu stark. Man sollte dann etwas reinmischen, damit es dem Gaumen eher schmeichelt. Wie ich eben sagte, ob mit Wasser oder in Cocktails ist dabei egal. Auch unsere aromatisierten Bourbons können ein guter Einstieg sein. Man sollte einfach nicht zu starken Bourbon trinken, wenn man es nicht gewohnt ist. Dabei ist Bourbon einfach ein Drink, der einem schmeckt und an den man sich leicht gewöhnt.

Trinken Sie auch andere Whiskeys?

Die ganze Zeit! Immer wenn ich unterwegs bin, probiere ich die regionalen Produkte, auch um zu sehen, was den Leuten so schmeckt. Ich trinke recht viel Single Malt Whisky. John Campbell von Laphroaig versorgt mich immer mit seinem rauchigen, torfigen Whisky. Um ehrlich zu sein: Es hat ein bisschen gedauert, bis ich mich daran gewöhnt habe. Beim ersten Mal habe ich wirklich gedacht: Oh Gott, was ist das denn? Aber John und ich sind gute Freunde geworden, und er hat mir die Besonderheiten des Bodens und der Region erklärt. Danach habe ich auch verstanden, woher der Geschmack kommt. Davor habe ich definitiv Respekt.

Sind sie jemals mit einem Produkt zufrieden, oder denken Sie, dass man es permanent verbessern kann?

Ich würde es nicht wagen, unsere Geschmacksrichtungen zu verändern. Der White Label ist die Nummer 1 im Bourbon-Absatz weltweit, und wie will man die Nummer 1 denn verbessern? Alle anderen Produkte haben ein ganz bestimmtes Geschmacksprofil und eine eigene Fangemeinde. Wenn man daran etwas ändern würde, verschreckt man genau diese Leute. Wenn man etwas ändern will, kreiert man am Besten gleich einen ganz neuen Whiskey.

Wenn man Ihre Werbung mit Mila Kunis anschaut, ist die Rede von einem eigenen Fass für Mila. Existiert das tatsächlich?

Klar, wir haben ein Fass in Kentucky. Es muss noch etwas länger lagern, damit wir auf den Reifegrad von vier Jahren kommen, aber es ist da und wartet auf Mila. Vor ungefähr drei Wochen hatten wir eine kleine Verkostung, wo wir einige Australier nach L.A. eingeladen haben. Mila war auch da, und wurde genau danach gefragt. Sie meinte auch mal zu mir, dass sie sich auf die Besuche in Kentucky freut, weil bei uns keine Paparazzi lauern und nicht überall 500 Kameras auf sie warten. Wir sind schließlich auf dem Land, also ist es sehr gut zum Relaxen. Es ist einfach kaum jemand da.

Einer unserer Leser wollte wissen, ob die Konzentration auf den Massenmarkt vielleicht in naher Zukunft Auswirkungen auf die Premium-Linien von Jim Beam hat. Wie sehen Sie das?

Wenn wir unseren Bourbon ansetzen, wissen wir genau, wie viel wir machen wollen. Wir lagern diese Fässer ein, und die bleiben bei uns dann auf dem Schirm. Ich will es ganz klar sagen: Wir werden immer unsere Super Premium-Linie machen, genauso wie es die verschiedenen Jim Beam-Label geben wird. Da wird nicht eine Linie gegen die andere ausgespielt. Trotzdem ist es immer ein Balanceakt, weil Whiskey ein extrem langfristiges Geschäft ist. Du fängst heute an, kannst den Whiskey aber erst in acht oder neun Jahren verkaufen. Und wer weiß schon, was in neun Jahren ist? Ich selbst wäre schon froh, wenn ich dann immer noch hier bin. Aber wir haben einen Plan, und der wird auch aktiv umgesetzt. Die Verwaltung von unserem Whiskey ist ein sehr wichtiger Teil der Arbeit, weil sie eben so weit in die Zukunft reicht. Aber ich versichere ihren Lesern gerne nochmal: Es wird immer unsere Super Premiums und die Jim Beams geben. Wir bauen jetzt gerade neue Lagerhäuser in Kentucky, und wir werden weiter so viel Whiskey wie möglich machen. Wir sehen keinen Grund, daran was zu ändern.

Mr. Noe, wir nehmen Sie da gerne beim Wort. Vielen herzlichen Dank für das Interview.

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One Response to “Master-Distiller Fred Noe im Gespräch”

  1. MartinN sagt:

    Hallo zusammen,

    Danke für dieses sehr interessanten Beitrag. Ich würde mich jedoch freuen, wenn die Alkoholindustrie mehr Kampagnen gegen Mißbrauch von alkoholischen Getränken startet. Laut einem Bericht der Krankenkassen sind die Schäden für ungeborene Kinder nicht abzusehen.

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